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30. November 2007 (Sonstige Unternehmen)

Kaputt verkauft

Am 1.Oktober, dem Welt-Tag für das Recht auf Wohnen, versammelten sich Mieter aus Dortmund, Essen, Gelsenkirchen, Mülheim und Witten vor dem "Hannibal" in Dortmund-Dorstfeld. Bei strömendem Regen tauschten sie Erfahrungen mit der Privatisierung von Wohnraum aus.

Bewusst hatte Mieterforum-Ruhr diesen Standort für die kleine Aktion gewählt. Zahlungsunfähigkeit des Vermieters: Sieht man von der Vertreibung durch Umwandler ab, kann es kaum schlimmere Privatisierungsfolgen geben. Mieter aus der Siedlung berichteten über Ansätze, mit der Zwangsverwaltung die notwendigsten Maßnahmen zu organisieren.

Sparen bei Instandhaltung
Bei den massenhaften, schnellen Einzelprivatisierungen gibt es zur Zeit eine Pause. Gleichzeitig wird aber immer deutlicher, dass der Verkauf an „Heuschrecken“ vor allem auch zu Nachteilen bei der Instandhaltung und beim Service führt.
In Essen überreichte das Mieterbündnis Nord eine umfangreiche Mängelliste an die Annington. Diese behauptet, in Essen-Katernberg werde so viel investiert wie nirgendwo sonst. "Wir wollen Zahlen sehen", fordert nun Petra Leonhartz vom Mieterbündnis.
Auch die an "Immeo" verkauften ehemaligen Krupp-Mieter aus Essen-Frohnhausen haben umfangreiche Mängellisten erstellt, ausgewertet und übbereicht. Vor zwei Jahren hatte die Initiative mit Unterschriftenlisten und Demonstrationen für ein lebenslanges Wohnrecht begonnen. Inzwischen wurde die gesamte Immeo mit Aufschlag an den Französischen Reit FdL veräußert, angeblich ein Bestandserhalter. Nur die Mieter merken davon nichts. Mietererhöhungen sind für die Mieter nicht nachvollziehbar. „Man weiß nicht, an wen man sich wenden soll“, sagt Renate Dorn von der Frohnhauser Mieterinitiative.

Horrende Abrechnungen
Solche Probleme hat auch der Mieterverein Dortmund-Echeloh. Die ehemalige Viterra-Siedlung wird inzwischen von vier verschiedenen Eigentümern kontrolliert. Es gibt heftige Probleme mit Nebenkostenabrechnungen. Ein Aufkäufer verlangte für die "Hausmeisterei" 18.000 Euro pro Haus. "Die Abrechnungen sind frei erfunden", meint Siegfried Klewer vom Mieterverein Echeloh.
Ähnliche Erfahrungen gibt es aus weiteren Siedlungen. Ein Grund ist, dass die neuen anonymen Eigentümer Verwaltung und Abrechnung oft an externe Firmen ausgegliedert haben. Manche haben so wenig Personal, dass sie nicht mal ihre Mahnabteilungen korrekt führen können. Eigenmächtige Abbuchungen und unbegründete Mahnungen häufen sich.
Heizkosten werden meistens von Firmen wie "ista" berechnet, die auch längst in der Hand von Finanzinvestoren sind. Diese Firmen wollen höhere Einnahmen nun dadurch erzielen, dass sie kostspielige Ablesesysteme installieren. Die Kosten versuchen sie auf die Mieter umzulegen. Gleichzeitig kommt es zu Ungereimtheiten und dramatischen Verschiebungen der Kostenanteile auf die einzelnen Mieter. In manchen Fällen sind die Verwaltungs- und Ablesefirmen nicht in der Lage, rechtzeitig nachvollziehbare Abrechnungen anzufertigen.

Vorsicht bei neuen Mietverträgen
Um es sich einfacher machen, versuchen Wohnungsverwaltungen in manchen Siedlungen, sich Unterschriften unter neue Mietverträge zu erschleichen. Im Essener Bergmannsfeld, in Witten und Dortmund versuchten für Häusser-Bau tätige Verwaltungsfirmen Mieter zur Zustimmung zu horrenden Mieterhöhungen oder nachteiligen Mietverträgen zu bewegen.

Alternative Genossenschaft?
Da, wo die Einzelprivatisierung bereits fortgeschritten ist, gibt es weitere Probleme. Gemein-schaftsgrün wird von Zäunen durchschnitten. Car-Ports machen sich breit. In Witten haben Mieter ihre Gärten verloren.
In Gelsenkirchen-Ueckendorf und Hassel wollen die Mieterinitiativen es nicht so weit kommen lassen. Sie haben Genossenschaften gegründet, die nun darum kämpfen, der Annington die Wohnungen abzukaufen. Das kostet viel Zeit. Trotzdem sagten die Genossenschaften den anderen Mieterinitiativen Solidarität und Unterstützung zu. „Wo wir können, stehen wir hinter euch“, versichert Traudel Tomshöver vom Flöz Dickebank aus Gelsenkirchen.
Privatisierungsbetroffene Mieter aus Witten-Vormholz können dagegen in der Genossenschaft keine tolle Alternative erblicken. Ist es doch die Genossenschaft HWG, die über 550 Wohnungen an Privatanleger verkauft. Kurzfristige Überlegungen zur Ausgründung einer neuen Genossenschaft scheiterten an den hohen Kosten, den unsicheren Vermietungsaussichten und der knappen Zeit, die die HWG bereit stellte. Noch in diesem Jahr sollen die Siedlungen verkauft werden. Immerhin wurde eine relativ weitgehende Mieterschutzcharta versprochen.
Der Erfahrungsaustausch und die Suche nach gemeinsamen Strategien der Mieterinitiativen sollen fortgesetzt werden.


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