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4. Juni 2008 (LEG NRW)

Wer wird Käufer der LEG?

Am 29.Mai lief die Frist für das Bieterverfahren um die Landesentwicklungsgesellschaft NRW (LEG) ab. Bei den vier bekannt gewordenen Bewerbern handelt es sich entweder um bekannte internationale Investmentfonds oder um völlige Neulinge auf dem deutschen Markt. Sie heißen: Deutsche Annington, Brack Capital, Whitehall, David Tomkin. Die Entscheidung über den Verkauf war bei Redaktionsschluss noch offen.

"Zieht die Landesregierung nicht endlich die Notbremse, drohen 93.000 Wohnungen und rund 1000 Mitarbeiter/innen unter die Kontrolle der ent-koppelten globalen Finanzmärkte zu geraten", warnte das Aktionsbündnis "Zukunft der LEG". "Keiner der Kaufinteressenten bietet Gewähr dafür, dass die Wohnungen auf Dauer sozial und nachhaltig bewirtschaftet werden", meinte Helmut Lierhaus, Sprecher des Aktionsbündnisses. Denn: Alle Bieter würden den Kauf der LEG über die internationalen Kapitalmärkte finanzieren, also die Bestände mit zusätzlichen Schulden und hohen Rendite-Erwartungen belasten.

Bieter 1: Deutsche Annington
Heiß an der LEG interessiert ist die Deutsche Annington(DA). Die Wohnungsabteilung der "Terra-Firma" (Tank und Rast, EMI..) wird vom Londoner Fonds-Manager Guy Hands kontrolliert. Durch den Aufkauf riesiger Wohnungsbestände von Bahn und Eon ist die DA in wenigen Jahren zum größten deutschen Wohnungsvermieter aufgestiegen.
Seit sich der Einzel-Verkauf von Wohnungen nicht mehr lohnt und seit der internationale Handel mit verbrieften Immobilienschulden zusammengebrochen ist, kann die Terra-Firma ihre Wohnungs-Investments nur durch weiteres Wachstum retten. Das Kalkül: Durch große Marktmacht und durch ständige "Optimierung" der Verwaltung, der Finanzierung und der Lieferbeziehungen sollen Einsparungen und gleichzeitig steigende Mieterlöse erzielt werden. Nach Einverleibung der LEG könnte die DA noch mehr Wohnungen auf "schlanke" Weise managen. Da die LEG-MitarbeiterInnen vertraglich vor Kündigungen geschützt sind, wird es bisherige DA-Beschäftigte treffen.
Trotz Anstrichsanierungen und Vorzeigeprojekten besteht in den ehemaligen Siedlungen der Veba/Viterra ein großer Instandhaltungsstau. Vom erforderlichen Investitionsprogramm fehlt bislang jede Spur. Seit Anfang des Jahres können zudem riesige Kapital-Rücklagen bei reduziertem Steuersatz als Gewinn ausgeschüttet werden. In den LEG-Siedlumgen drohen nach Übernahme durch die Annington somit Einsparungen bei Reparaturen und Service.
Außerdem ist der Verbleib der Wohnungen trotz angeblich "langfristiger" Orientierung der DA nicht auf Dauer sicher. Die Zukunft der DA hängt von den internationalen Finanzmärkten und von dem Kalkül des Fondsmanagers Guy Hands ab. Beide können sich sehr schnell ändern. Und neben Wohnungspaketen können auch Anteile oder Schulden verkauft werden. Aber das gilt alles auch für andere Bieter.

Bieter 2: Brack Konsortium
Zeitweilig als hoch interessierter Bieter gehandelt wurde die Brack Capital Group (BCG), ein weltweit agierendes Unternehmen, das u.a. in spektakuläre Immobilien-Projekte von New York bis Peking investiert. Das Kapital dafür kommt von internationalen Investmentbanken, im Fall der LEG von Apollo Real Estate und Lehman Brothers. Brack verfügt in Deutschland über kein Personal und keine Vermietungs-Erfahrung. Es ist fraglich, inwieweit dieser Bieter in der Lage ist, die Herausforderungen des deutschen Marktes, das Mietrecht und die finanziellen Anforderungen angemessen einzuschätzen. />

Bieter 3: Whitehall/Goldman Sachs
"Whitehall" bezeichnet eine Gruppe von Fonds, welche die große Investmentbank Goldman Sachs auflegt. Im Frühjahr 2004 kaufte Goldman Sachs gemeinsam mit dem US-Fonds "Cerberus" das kommunale Berliner Wohnungsunternehmen GSW mit 65.700 Wohnungen. Obwohl allein aufgrund der damals niedrigen Zinsen riesige Gewinn erwirtschaftet werden konnten, wurde sofort das "Mieterhöhungspotenzial" ausgeschöpft und die Belegschaft "optimiert". Architekten wurden outgesourct, kostenintensive Einheiten verkauft. Nach zwei Jahren war der Personalstand bereits halbiert. Ein halbes Jahr nach dem Kauf der GSW wurden 1529 Wohnungen an den Weiterverwerter Vivacon veräußert und wieder drei Monate später landete die Hälfte dieser Wohnungen bei einem Spezialisten für Mieterprivatisierung. In Berliner Siedlungen kam es zu umstrittenen Erhöhungen wegen Modernisierungen.

Bieter 4: David Tomkin
Die irische Millionär und Jura-Professor David Tomkin besitzt ein sehr überschaubares Wohnungsimperium in Irland. Ohne massiven Einstieg von Investmentbanken kann dieser Lokal-Vermieter kein Wohnungsimperium in der Größe der LEG übernehmen. Dass Tomkin sich in den Medien als Retter der Arbeitsplätze und Freund der Mieter/innen darstellt, zeigt wahrscheinlich vor allem, dass er einiges zu kompensieren hat: eine schleierhafte Finanzierung und Unerfahrenheit auf dem deutschen Wohnungsmarkt.

Landesregierung unbelehrbar?
Seit Ausbruch der Finanzkrise wurden Milliarden Steuermittel in die Rettung von Banken gesteckt, die sich bei ihrer weltweiten Zockerei mit undurchsichtigen Immobilienanlagen verspekuliert hatten. Wer, wie Rüttgers, trotzdem die LEG auf dem Finanzmarkt verscherbelt, muss wohl unbelehrbar sein.


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