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13. Juni 2008 (Aus den Städten)

Dortmund wird modern

Explodierende Energiepreise, Gebäudepass und günstige Förderdarlehen haben eine Welle von Wohnungsmodernisierungen ausgelöst. Durch energetische und gestalterische Aufwertung wird auch das Image von Großsiedlungen verbessert. Trotz Millioneninvestitionen und verhaltener Mieterhöhungen geht die Rechnung auf: Leerstände sind nahezu unbekannt.

Die größte Baustelle Dortmunds wäre - die Siedlungs- und Geschossflächen aneinandergereiht - die Wohnungsmodernisierung. Allein in Dortmund-Wickede will die Landesentwicklungsgesellschaft trotz des drohenden Verkaufs alle 1.400 Wohnungen mit einer Gesamtfläche von ca. 84.000 qm in mehreren Bauabschnitten auf einen zeitgemäßen Standard bringen. Heizungsanlagen, Fenster und Eingangstüren sollen erneuert, die Fassaden wärmegedämmt und nach einem Farbkonzept gestrichen werden. Zudem sollen Spiel- und Freizeitmöglichkeiten erneuert und Mietergärten angelegt werden. Investitionsvolumen bis 2012: 42 Mio. Euro. Die Durchschnittskaltmiete des Wohnquartiers liegt derzeit bei 4,04 Euro pro Quadratmeter und soll nach der Modernisierung bei rund 4,75 Euro liegen. Für Geschäftsführer Ulrich Henning ist schon beim Startschuss klar: „Dadurch und durch die Aufwertung des Wohnumfeldes mit guten Standortfaktoren werden wir unsere jetzigen Kunden halten und neue hinzugewinnen.”

In Scharnhorst-Ost haben Dogewo21, LEG Wohnen, Ruhr-Lippe Wohnungsgesellschaft und Spar- und Bauverein, die hier zusammen über rund 3.300 Wohnungen verfügen, Ende 2006 eine eng abgestimmte Modernisierungsoffensive gestartet und inzwischen weitgehend abgeschlossen. Insgesamt 63 Millionen Euro investierten die Kooperationspartner in die energetische und gestalterische Aufwertung. Es wurde ein Farbkonzept entwickelt, das die Gemeinsamkeiten der Großsiedlung betont, gleichzeitig aber auch die Bestände der einzelnen Gesellschaften und die einzelnen Gebäude voneinander unterscheidbar macht. Parallel wurde ein neuartiges wohnungswirtschaftliches Quartiermanagement eingerichtet und mit einer Imagekampagne "Leben in Scharnhorst ist bunt" gestartet, um Scharnhorst-Ost ein neues, sympathisches und modernes Gesicht zu geben. Die neuen Grundmieten liegen hier zwischen 4 und 4,50 Euro pro Quadratmeter.

Große Mietspanne
Diese Positiv-Beispiele funktionieren, weil die Wohnungsgesellschaften nicht die vollen Modernisierungskosten auf die Mieten umlegen, um ihre Mieterschaft zu halten. Bei anderen Modernisierungsvorhaben sprechen sie aber auch besser verdienende Haushalte an und gehen mit den Quadratmetermieten deutlich über 5 Euro hinaus. Die Evonik Wohnen (vormals u.a. Wohnbau Westfalen) erhöht sogar bis 5,80 Euro und bei Neuvermietungen über 6 Euro. Hier könnten Haushalte, die auf Wohngeld oder Grundsicherungen angewiesen sind, gezwungen sein, in einen anderen Wohnbereich oder in eine kleinere Wohnung umzuziehen. Diese Lücke könnte geschlossen werden, wenn die Vermietungsgesellschaften neben der Energieeinsparförderung auch die öffentliche Modernisierungsförderung in Anspruch nehmen würden, was sie wegen der Mietpreis- und Belegungsbindungen nur höchst ungern tun. (li)


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