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7. September 2009 (Aus den Städten)

Mit Produktionsschule auf den Arbeitsmarkt

Unsere Stärke ist die Vernetzung im Quartier - Wohnquartiere in der Abwärtsspirale: Im Dortmunder Stadtgebiet gibt es viele davon. Arbeitslosigkeit, die Zahl von Hartz IV-Empfängern und Kinderarmut sind hier besonders hoch und die Bildungschancen schlecht. Im ihrem Aktionsplan von 2007 hat die Stadt 13 solcher Aktionsräume ausgewiesen, in denen durch Bürgerbeteiligung neue Projektideen entwickelt und umgesetzt werden sollen: Hoffnungsschimmer am Horizont. Die ps.fabriq an der Rheinischen Straße 167 ist einer davon.

Seit Januar arbeitet die ps.fabriq. Aber eine Fabrik ist es eigentlich nicht, sondern eine Produktionsschule. Hier arbeiten 26 Jugendliche bis 25 Jahren, die bisher durch die Maschen des Bildungssystems gefallen sind. Ohne Schulabschluss oder Ausbildungsplatz leben sie von Hartz IV. Im Rahmen der einjährigen Maßnahme machen sie nun den Sprung in die Arbeitswelt. "Sie haben hier die Chance zu erfahren, was der Arbeitsalltag bedeutet. Sie können sich vorbereiten auf Ausbildung oder Job", erklärt Sabine Dobbelmann, pädagogische Leiterin der Produktionsschule.
Es gibt unterschiedliche Arbeitsbereiche: eine Schneiderei, den Kreativbereich, eine Küche und die Schreinerei, die in der Stadtteilwerkstatt an der Burgholzstraße eingerichtet ist. Die Jugendlichen stellen auf Kundenanfrage unterschiedliche Produkte her.

Unsere Kunden kommen aus der ganzen Stadt
Die Kunden der ps.fabriq sind öffentliche und gemeinnützige Einrichtungen und Vereine wie Schulen, Kindertagesstätten, FABIDO, Heime und Jugendfreizeitstätten. "Da ruft z.B. eine Kindertagesstätte an und beauftragt uns, 150 neue Turnbeutel zu nähen. Der Auftrag soll in einer Woche erledigt sein. Die Jugendlichen setzen das mit Unterstützung ihrer Anleiter um." In der Schreinerei wird z.B. Schulmobiliar repariert oder Holzspielzeug hergestellt. "Von der Kundenakquise bis zum Ausliefern der Ware sind sie an allen Arbeitsprozessen beteiligt, sie lernen zu wirtschaften und Dinge umzusetzen. Und sind stolz darauf." So unterschiedlich die Kunden und Produkte, die sie herstellen, so unterschiedlich sind auch die Arbeitsfelder, in die sie hineinschnuppern können.

Ein Schritt in Richtung Berufsausbildung
Die Jugendlichen sind im Rahmen eines 1,50 Euro Jobs, d.h. einer so genannten Arbeitsgelegenheit, beschäftigt. Bis zu 180 Euro können sie im Monat hinzu verdienen. Initiatoren der ps.fabriq sind die ARGE und die Stadt Dortmund. Ziel ist es, die Jugendlichen nach 12 Monaten in eine berufsvorbereitende Maßnahme oder überbetriebliche Ausbildung zu vermitteln. "Es ist kein leichter Job, die Jugendlichen bei der Stange zu halten, und immer wieder zu motivieren", gibt Dobbelmann zu. Aber sie ist auch hoffnungsvoll. Die ps.fabriq wird von den Kunden gut angenommen. Es ist eine win-win Situation. "Wir produzieren für Menschen und Einrichtungen, die wenig Geld haben. Die Jugendlichen haben die Chance, sich weiterzuentwickeln. Vielleicht trägt unser Projekt dazu bei, den Stadtteil wieder lebendiger zu machen."

Interview mit Hermann Schultenkämper, Projektleiter für den Aktionsplan Soziale Stadt

Herr Schultenkämper, wie wird der Aktionsplan finanziert? Und wie lange?

Das Projekt wird im Rahmen des städtischen Haushalts finanziert. Wir gehen davon aus, dass der Aktionsplan Soziale Stadt Dortmund eine langfristige Aufgabe ist. Armut lässt sich nicht in wenigen Monaten nachhaltig bekämpfen. Von daher wird das Projekt in den nächsten Haushaltsjahren fortgeschrieben werden.

Hier wird viel Manpower für die Projektentwicklung hineingesteckt. Gibt es eine Chance, es zu verstetigen? Oder bleibt es am Ende ein Tropfen auf den heißen Stein?

Der Aktionsplan trägt dazu bei, die städtische Sozialpolitik auf drei Schwerpunkte zu konzentrieren. Das sind Arbeit und Beschäftigung im Quartier, die Bekämpfung der Kinderarmut und die Stärkung des sozialen Zusammenhalts in den Aktionsräumen. Ziel ist es, unsere Ressourcen langfristig auf diese Schwerpunkte zu konzentrieren.

Im November 2007 wurde der Aktionsplan Soziale Stadt vom Oberbürgermeister vorgestellt. Jetzt, zwei Jahre später, geht ein Teil der Projekte an den Start. Nach zwei Jahren erscheint das etwas zähflüssig. Ist die Initiative schon verpufft? Oder warum dauert das so lange?

Der Eindruck täuscht. Uns war es wichtig, die Dortmunderinnen und Dortmunder vor Ort zu beteiligen. Denn die Bürgerbeteiligung ist ein ganz zentrales Anliegen im Prozess. Und sie ist uns gelungen. Mehr als 2000 haben mitgemacht, mehr als 200 Projektideen wurden entwickelt. Die ersten Projekte starteten bereits im Sommer 2008. Mittlerweile wurden 8 Aktionsbüros eröffnet. Zudem konnten viele andere städtische Maßnahmen, wie die Einführung des Sozialtickets oder der kommunale Lernmittelfond, umgesetzt werden.

Welche Etappenziele sind in der Zwischenzeit verwirklicht worden?

Wir haben alle Vorgaben des Rates der Stadt Dortmund aus den Haushaltsberatungen 2008 umgesetzt. Der Großteil der Projekte vor Ort läuft. Die Aktionsbüros sind am Start. Viele neue Partnerschaften, z.B. mit Kirchengemeinden, wurden eingegangen. Insgesamt konnten rund 5 Mio. Euro auf die neuen Schwerpunkte umgesteuert werden. Im kommenden Jahr wird es darum gehen, eine Zwischenbilanz zu ziehen und den Aktionsplan weiterzuentwickeln.

Es hat in den 13 Aktionsräumen Bürgeranhörungen gegeben. Über 200 Projektideen sind entwickelt worden. 34 davon sind nun ausgewählt worden, die man zunächst weiterverfolgt. Was waren die Auswahlkriterien? Wo liegen die Schwerpunkte?

Wir haben uns zunächst auf die Projekte konzentriert, die im Beteiligungsprozess von den Bürgerinnen und Bürgern hoch bewertet wurden. Zudem sollten die Projekte innovativ sein und den Zielen des Aktionsplans entsprechen: also Arbeit und Beschäftigung im Quartier, Bekämpfung der Kinderarmut und Stärkung des sozialen Zusammenhalts. Aber selbstverständlich waren auch die individuellen Problemlagen im jeweiligen Aktionsraum zu berücksichtigen, die der Bericht zur sozialen Lage uns ja deutlich aufgezeigt hat.

Wie viele Projekte der 34 laufen tatsächlich schon?

22 Projekte laufen bereits, acht weitere gehen in den nächsten Wochen an den Start. Vier Projekte müssen noch weiter qualifiziert werden.

Es war das erklärte Ziel, die benachteiligten Stadtteile sehr zielorientiert zu fördern.

Jetzt entsteht der Eindruck, dass doch eher gesamtstädtische Maßnahmen im Vordergrund stehen. Immerhin sind hierfür nach Aussage des Zwischenberichts 5 Mill. Euro aus dem Haushalt umgesteuert worden. Für die Projekte vor Ort muss mühselig nach Geldmitteln gesucht werden. Wie passt das zusammen?

Mit dem Aktionsplan fördern wir benachteiligte Stadtteile und tun zugleich etwas gegen Arbeitslosigkeit und Kinderarmut auf gesamtstädtischer Ebene. Beides ist richtig, denn natürlich gibt es auch außerhalb der benachteiligten Stadtteile Kinder, die in Armut leben. Die dürfen wir nicht vergessen. Die 5 Mio. Euro kommen auch den benachteiligten Stadtteilen zu Gute. Alle Projekte vor Ort sind finanziert. Hier muss sich niemand Sorgen machen.


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