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22. September 2011 (LEG NRW)

Halbierte Metropolen: Wer im Bergmannsfeld Glück hat, wohnt in Paris

Paris, Venedig, Stockholm, Prag: So schön wie "Eine Reise durch Europa" sollten die LEG-Sozialwohnungen im Bergmannsfeld einst werden. Bei fast der Hälfte hat das Modernisierungsvorhaben auch geklappt. Seit der Planung in 2008 wurden bei dem ersten Bauabschnitt und bei ungefähr der Hälfte des zweiten Bauabschnittes die Fassaden wärmegedämmt und mit neuen warmen Farben angestrichen. Die Bäder der Wohnungen wurden saniert. Statt der Durchlauferhitzer versorgt dort nun eine zentrale Warmwasserversorgung die Mieter. Auch die Innenhöfe sind neu gestaltet. Wer wollte, konnte eine Stück Grün zu seinem eigenen Mietergarten machen.

Doch damit endet schon die Bilanz, die das Flair europäischer Metropolen mitten in den Stadtteil bringen sollte. Wer in einer der unsanierten Wohnungen lebt, kann immerhin die schönen neu gedämmten und gestrichenen Häuser auf der anderen Straßenseite erblicken. Dann vergisst er vielleicht auch die eigene graue Waschbetonfassade oder das alte Bad.

War es das jetzt?
Dieter Habermehl und Karin Schnittker vom Vorstand der Mietergemeinschaft haben dazu ein Gespräch mit Mitarbeitern der Niederlassung Essen der LEG geführt. "Die Mieter in den modernisierten Wohnungen waren mit den durchgeführten Maßnahmen sehr zufrieden", wurde ihnen dort mitgeteilt. "Und der Rest, wie darf der in Zukunft wohnen?" hakten Dieter Habermehl und Karin Schnittker nach. "Die Planung und Ausschreibung für den dritten Bauabschnitt wurden erstellt aber nicht mehr in Auftrag gegeben. Über den vierten Bauabschnitt und die Zukunft der Wohnungen in den Hochhäusern erhielten wir keine weitere Information", berichten die Vorstandsmitglieder nach dem Treffen mit der Vermieterseite. Dabei lagen sowohl das komplette, anspruchsvolles Modernisierungsprogramm als auch die Hochglanzbroschüre schon vor dem Verkauf der gesamten 93.000 Landeswohnungen der LEG an Whitehall (hinter diesem Fond steht die internationale Investmentbank Goldman Sachs) vor. Damit waren dann auch die die 818 Wohnungen dieser Siedlung verkauft worden, deren Sozialbindung noch bis 2020 läuft.

Das war’s
"Wir haben uns gefragt, was von dem ehrgeizigen Modernisierungsplan nach dem Verkauf an den internationalen Investor geblieben ist", erklärt Karin Schnittker "denn noch im November 2008 hieß es aus dem Haus LEG: die begonnen Sanierungen werden planmäßig weiterführt. Die Siedlung soll für Familien, aber auch für Singles und Paare lebenswert sein." Dann aber wurden die Bauarbeiten eingestellt. "Die Planung für die Hälfte aller Wohnungen liegt auf Eis. Zahlen für zukünftige Investitionen in die Weiterführung der Modernisierung liegen nicht vor. Lediglich normale Instandhaltungsarbeiten werden weiterhin durchgeführt. Dafür werden in 2011 bis zum Jahresende 650.000 € bereitgestellt. Je nach Ausstattung der Wohnung und Wunsch des Neumieters werden bei Neubezug Tapeten erneuert, Laminatböden gelegt und Bäder überarbeitet. ," berichtet Dieter Habermehl. Überrascht hat das alles die zwei Mieterschützer nicht.

Der Leerstand ist mit circa 4,4 Prozent sehr niedrig. Das sind derzeit 36 von 818 Wohnungen. Die Wohnungen sind offensichtlich begehrt, denn die Mieten liegen zwischen 4,45€/qm und 5,50€/qm kalt. Der Markt für Mietwohnungen, auch für Sozialwohnungen, ist in Essen scheinbar entspannt. Daher können einzelne Wohnungen auch auf Antrag frei gestellt und ohne Wohnberechtigungsschein vermietet werden. Zumindest was die Beliebtheit angeht, sind also alle Bergmannsfelder Wohnungen so beliebt wie die großen Metropolenstädte.


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