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14. September 2012 (Vonovia, Häusser Bau)

Flöz Dickebank: Verkauft, aber nicht verloren?

Gekämpft wie ein Löwe, aber doch vergeblich. Seit dem 1. September sind die rund 600 Bewohnerinnen und Bewohner der historischen Bergarbeitersiedlung "Flöz Dickebank" in Ückendorf Mieter der Häusser-Bau GmbH. Die wird die Zechenhäuser einzeln privatisieren, was viele Mieter überfordern wird. Aber so ganz allein gelassen werden sie nicht. Die Stadt will den Prozess moderieren.

"Das Land lässt Sie nicht allein! Wir wollen dafür sorgen, dass niemand durch das Raster fällt, der nicht kaufen kann." Die Worte von NRW-Wohnungsminister Michael Groschek, gesprochen am 17. August, waren ein schwacher Trost für die Mieter, die sich im Heini-Wettig-Haus versammelt hatten. Hier war monatelang das Zentrum ihres Widerstands gegen den Verkauf ihrer Siedlung durch die Deutsche Annington. Und hier hatten sie auch gesessen und beraten, wie es nun unter der neuen Eigentümerin Häusser-Bau weitergehen wird.

Denn es kommen massive Probleme zumindest auf die Mieter der kleinen Zechenhäuser zu. Häusser Bau ist ein sogenannter "Zerleger". Die Firma hat das erklärte Ziel, die Häuser einzeln weiter zu verkaufen. Und vielen Mietern fehlt das Geld zum Selbstkauf. Besser ergeht es denen in den Mehrfamilienhäusern. Die hat Thorsten Heckendorf, Juniorchef bei Häusser Bau, privat gekauft und will sie mindestens zehn Jahre halten.

Die Mieter fürchten nicht nur Eigenbedarfskündigungen durch Käufer. Davor brauchen etliche keine Angst zu haben, denn als ehemalige Bergbau-Angehörige haben sie ein lebenslanges Wohnrecht. Aber die Erwerber werden mit ziemlicher Sicherheit investieren, um den jahrzehntelangen Sanierungsstau zu beheben - hier wird oft noch mit Kohle geheizt! Und etliche Mieter befürchten, die Wohnung anschließend nicht mehr bezahlen zu können.

Alle Hoffnungen, die städtische GWG könne Häusser Bau zuvorkommen und die Siedlung erwerben, hatten sich im Sommer zerschlagen (wir berichteten). Und einem weiteren Moratorium zugunsten eines von einer schweizer Stiftung angeführten Konsortiums wollte die Deutsche Annington nicht zustimmen.

Doch Michael Groschek war nicht mit leeren Händen gekommen. Für 500.000 € soll in der Siedlung vier Jahre lang eine Anlaufstelle für Mieter und Kaufinteressenten geschaffen werden, besetzt mit einem Quartiersarchitekten und einem Sozialplaner. Auch eine unabhängige Finanzierungsberatung ist geplant. 80 % finanziert das Land, 10 % die Stadt und 10 % Häusser-Bau.

Die Moderatoren sollen nicht nur Sprechstunden abhalten, sondern auch Hausbesuche machen. Der Mieterschutz soll durch eine Sozialcharta ausgeweitet werden und ein Runder Tisch den ganzen Prozess begleiten. Sie wird also weiter gebraucht werden, die Initiative "Neue Wege für Flöz Dickebank".

Genauso wichtig für sie waren die Aussagen von Vater und Sohn Heckendorf. Die versprachen, jedem Mieter die Gelegenheit zu geben, sein Haus selbst zu kaufen, die zahlreichen Mängel zügig zu beheben und Luxussanierungen zu vermeiden. Michael Groschek freute sich über den konstruktiven Dialog: "Das war heute schon fast ein Runder Tisch. Wir wollen hier ein Beispiel dafür schaffen, wie man Quartiersentwicklung trotz Privatisierung hinbekommen kann." Na, wenn das mal klappt.


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