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16. Juni 2014 (Aus den Städten)

Sozialwohnungsbau: Ein Fremdwort in Bochum

Als Jürgen Jankowski von der NRW-Bank am 6. Mai beim Runden Tisch der Bochumer Wohnungsmarktakteure über die Konditionen des neuen NRW-Wohnungsbauförderungsprogramms referierte, da hatte er einen schweren Stand. Sein Ziel war es natürlich, für preisgebundenen Wohnungsbau zu werben. Doch obwohl die Landesregierung in ihren Förderrichtlinien einen weiteren Riesenschritt auf die Wohnungswirtschaft zugegangen ist, wollten die meisten Vertreter derselben mit Sozialwohnungsbau weiterhin nichts zu tun haben. Er würde sich, so die weit verbreitete Meinung. einfach nicht rentieren.

Die Geschichte des Sozialen Wohnungsbaus in Bochum ist ein Trauerspiel – jedenfalls die jüngere Geschichte. Ganze 192 davon sind in den letzten sieben Jahren gebaut worden. Mit 2008 und 2012 gab es sogar Jahre, die mit 0,0 zu Buche schlugen. Auch 2013 konnte Bochum sein Budget in Höhe von 3,2 Mio. Euro nicht angenähert an den Mann – sprich den Bauträger – bringen. Gefördert wurden ganze 15 Wohneinheiten in zwei Bauvorhaben. Den Rest des Düsseldorfer Geldes wollte niemand haben.

Besondere Zurückhaltung übte dabei die private Wohnungswirtschaft. Gerade einmal jede siebte der ohnehin wenigen neuen Sozialwohnung wurde von privaten Kleinvermietern gebaut, dabei beherrschen gerade sie den Bochumer Wohnungsmarkt. Sie stellen fast drei Viertel des gesamten Wohnungsangebots. Umso bedeutender ist es im Ergebnis, dass sie von öffentlichem Geld nichts wissen wollen.

Günstige Zinsen
Hauptursache ist das niedrige Zinsniveau. Der Kapitalmarkt bietet durchaus Baudarlehen für unter zwei Prozent, und das ohne jede Bindung. Baugeld ist so billig, dass kaum ein Bauwilliger noch auf öffentliche Förderung angewiesen ist, zumal sie eben immer eine Kehrseite hat: Die Miete darf dann 5,25 € pro qm nicht übersteigen, und in der Auswahl der Mieter ist man auch auf solche mit „Sozialschein“ beschränkt. Wer will das schon, wenn der Vorteil gegenüber „freiem“ Geld unter ein Prozent liegt.

Deshalb kommt die Landesregierung der Bauwirtschaft immer mehr entgegen. Im aktuellen Wohnraumförderungsprogramm, dass um der Kontinuität willen gleiche Konditionen von 2014 bis 2017 vorsieht, gibt es 150 bis 250 € mehr pro qm zu 0 bis 0,5 % Zinsen, und unter bestimmten Umständen sogar Tilgungsnachlässe. „Globalbudgets“ erlauben die Kombination von freifinanziertem und Sozialwohnungsbau, Miete und Eigentum im gleichen Projekt. Sogar Modernisierungen dürfen dabei sein. Zwar hat Bochum derzeit kein aktuelles Wohnungspolitisches Handlungskonzept, was für einen Teil der Sonderkonditionen Voraussetzung ist, aber immerhin gilt die Ruhrstadt in Düsseldorf noch als Kommune mit „überdurchschnittlichen Bedarf“, was bedeutet: bessere Konditionen.

Doch das ist alles nicht attraktiv genug, um das Manko auszugleichen, anschließend nicht für 8,50 oder 9,00 € pro qm vermieten zu dürfen. Solche Mieten sind, glaubt man alles, was man hört, auch in Bochum im freifinanzierten Neubau durchaus drin – wenn schon nicht die 15 Euro, von denen man aus Düsseldorf oder Münster hört. Wer am 6. Mai die Herren aus der Wohnungswirtschaft im kleinen Sitzungssaal des Rathauses reden hörte, bekam den Eindruck: Denen müsste man das Geld schenken, ohne jede Bedingung, damit sie‘s nähmen. Leider machte da auch der Geschäftsführer des (halb-)städtischen Unternehmens keine Ausnahme.


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