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16. Juni 2014 (Sonstige Unternehmen)

Barmer Wohnbau: Alles korrekt und doch korrigiert

Die Barmer Wohnbau, neue Eigentümerin der Pleite-Häuser am Gropiusweg in Steinkuhl, zeigt, dass ein 140 Jahre altes, regional verbundenes, bestandswahrendes Wohnungsunternehmen Mieter genauso schockieren kann wie eine kurzfristig agierende, nur auf schnellen Gewinn schielende Heuschrecke. Die erste Nebenkostenabrechnung unter neuer Regie endete für die meisten Mieter mit so hohen Nachforderungen, dass es sogar die WDR-Lokalzeit berichtenswert fand. Nach zahlreichen Beanstandungen durch den Mieterverein ist die Barmer jetzt in die zweite Runde gegangen.

„Wir haben die gesamte Betriebskostenabrechnung noch einmal geprüft“, teilte das Unternehmen am 14. April mit. „Diese Prüfung ist nunmehr abgeschlossen. Wir teilen im Ergebnis mit, dass die angesetzten Kosten tatsächlich in der Höhe angefallen sind.“

Obwohl also aus Sicht der Vermieterin alles korrekt gewesen sein soll, fügte sie anschließend eine korrigierte Betriebskostenabrechnung bei, die ganz andere – und überwiegend viel niedrigere – Beträge enthält.So betragen die Kosten für den Allgemeinstrom im Gropiusweg 18 statt 897 nur noch 574 €, für Abwasser werden statt 6.696 € nur noch 5.465 € verlangt, die Treppenhausreinigung kostet statt 5.625 jetzt 3.375 €, die Kosten für die Gartenpflege sind von aberwitzigen 10.648 auf 1.597 € gesunken und für die Heizung sind statt 40.991 nur noch 28.673 € fällig. Wasser, Kabelfernsehen und Aufzug sind dagegen teurer geworden.

Geld zurück
Dementsprechend günstiger fällt für die meisten Mieter die Abrechnung aus: Statt Nachzahlungen in vierstelliger Höhe erhalten die meisten Mieter mehrere hundert Euro zurück. Anders dagegen Elena Sklarow aus dem Gropiusweg 18. Sie soll immer noch fast 1000 € nachzahlen. Nachvollziehbar ist ihre Abrechnung immer noch nicht. So enthält die Heizkostenabrechnung Kosten für Gas, obwohl mit Fernwärme geheizt wird. Und obwohl die Mieterin im Jahre 2012 nur vier Monate am Gropiusweg gewohnt hat, liegen Kosten angeblich so hoch, wie man es für ein ganzes Jahr erwarten sollte.

Rechtsberater Rainer Papenheim hat erneut Kopien der Belege angefordert. Doch hier zickt die Barmer, will nichts schicken, erwartet stattdessen, dass der Jurist nach Wuppertal fährt, um die Belege dort einzusehen. Seltsam: Die Betriebskostenabrechnung enthält die Position „Umlageausfallwagnis“. Das gibt es nur bei Sozialwohnungen. Und bei Sozialwohnungen sind Vermieter verpflichtet, Kopien zu schicken. Ein Wohnungsunternehmen mit 140 Jahren Erfahrung und 10.000 Wohnungen im Bestand sollte das eigentlich wissen.


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