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11. September 2014 (Sonstige Unternehmen)

Jeden Tag vor Ort: Kein Hausmeister mehr für 735 Mietparteien in Freisenbruch?

Ein „Kümmerer vor Ort“ wurde verabschiedet. Am 15.07.2014 haben sich die Mieter der Siedlung Freisenbruch Süd der Wohnbau eG von ihrem langjährigen Hausmeister Herrn Berge mit einer kleinen Feier verabschiedet. 31 Jahre lang hatte er in vorbildlicher Weise gewirkt, alle kannten ihn. Er hatte für jeden Mieter und für jedes Problem ein offenes Ohr. Aber zum Erstaunen der Mieter wurde kein Nachfolger vorgestellt. MIETERFORUM sprach mit Margret Frese, nur eine der Mieterinnen, die sich nun Sorgen machen.

MF: Frau Frese, Sie haben mit Nachbarn eine Unterschriftensammlung gestartet, damit die Arbeit von Herrn Berge ohne Einschränkungen weitergeführt wird.

Margret Frese: Ja, es wurde leider kein Nachfolger genannt oder vorgestellt. Also befürchten wir, dass sich nun niemand mehr in unserer Siedlung um die vielen kleinen und großen Probleme kümmern wird. Und damit erst gar keine Probleme entstehen, haben wir uns jetzt gekümmert und fordern von unserer Wohnbau, dass es einen gleichwertigen Ersatz für den verabschiedeten Herrn Berge gibt.

MF: Aber es gibt doch sicher eine Telefon-Nummer in der Rankestrasse, unter der Mieter Probleme melden können?

Margret Frese: Ja natürlich. Die ist auch sinnvoll für Mängel in der Wohnung oder an der Heizung, oder bei Fragen zu der Mietberechnung. Aber der Hausmeister vor Ort, der jeden Tag mit offenen Augen durch die Siedlung geht, der ist damit nicht zu ersetzen. Wir haben einen jungen Mann von einem Hausmeisterservice in unseren Strassen getroffen, der zwei Mal in der Woche für drei Stunden  in die Siedlung kommt. Das reicht aber für die Pflege einer so großen Siedlung nicht.
 
MF: Was werden Sie und die anderen Mieter vermissen?

Margret Frese: Im Morungenweg, an der Freisenbruchstraße, im Sperrvogelweg und an der Ofterdingenstraße liegen die 735 Wohnungen unserer Siedlung. Wir haben viel Grün um unsere Häuser und schöne Spielplätze für die Kinder. Aber das alles muss gepflegt und sauber gehalten werden. Das kann der junge Mann in der kurzen Zeit gar nicht schaffen. Ein anderes Beispiel: in unserem Hochhaus sind bereits mehrere Leuchtstoffröhren im Treppenhaus und Keller defekt. Sollen jetzt wir Mieter als Ersatzhausmeister aktiv werden? Kümmert sich erst jemand von der Genossenschaft, wenn es Unfälle gegeben hat?

MF: Sehen Sie schon Veränderungen in der Siedlung?

Margret Frese: Ja, und nicht nur ich. Jetzt, bei der Sammlung der Unterschriften, höre ich das auch von meinen Nachbarn. Sauberkeit und Ordnung ist schon schlechter geworden. Und uns fehlt der  Ansprechpartner für kleine Reparaturen, wenn es zum Beispiel Schäden an den Außenanlagen gibt, die zu Unfällen führen könnten, oder wenn Haustüren quietschen und nicht richtig schließen oder Glühbirnen kaputt sind. Da könnte ich noch vieles aufzählen.

MF: Der Herbst kündigt sich ja schon an und der Winter kommt bestimmt. Haben Sie da besondere Sorgen?

Margret Frese: Auf jeden Fall. Bei Schneefall ist Herr Berge in den vergangenen Jahren manchmal schon morgens um 4 Uhr mit seinem Traktor über die Gehwege gefahren und hat geräumt. Wenn wir zur Arbeit gingen oder die Schüler zur Schule, dann konnten sie das ohne Gefahren tun. Im letzten Winter gab es ja nicht viel Schnee. Aber selbst an diesen wenigen Schneetagen waren die Bürgersteige manchmal bis zum Nachmittag noch nicht frei gemacht. Herr Berge war da schon nicht mehr in Vollzeit tätig. Ein anderer Mann hat dann versucht mit einer Schaufel Sand zu streuen. Der konnte so natürlich nicht viel bewirken. Hier wohnen auch viele ältere Menschen. Die müssen doch sicher zur Bushaltestelle, zum Arzt und zum Einkaufen gehen können.

MF: An wen richtet sich ihre Unterschriftensammlung?

Margret Frese: Wir hoffen, mit unseren Unterschriften die Leitung der Wohnbau eG  auf unser Problem  aufmerksam zu machen. Die Allbau AG und selbst die Annington werben in Essen damit, dass sie Hausmeister als Ansprechpartner und Kümmerer vor Ort einsetzen. Wir wollen uns weiter in unserer schönen Siedlung wohl fühlen. Wir fordern, dass für die Pflege unserer Siedlung wieder ein Hausmeister in Vollzeit angestellt wird.


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