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18. März 2015 (Vonovia)

Deutsche Annington will 20 Prozent mehr

Weil die Sozialbindungen der Katernberger Wohnungen im Nienhuser Busch ausliefen, kündigte die Vermieterin - die Deutsche Annington - sofort saftige Mieterhöhungen an. Teilweise bis zu 20 %. Die Mieter wehren sich.

Einst gab es Landesfördermittel für Erbauer von Miethäusern, damit in den fertigen Wohnungen die Miete preisgünstig blieb. Gesetzlich wurde das geregelt. Eine sogenannte Sozialbindung wurde vereinbart - die allerdings irgendwann ausläuft. Dann wird aus Häusern, die aus Steuermitteln ko-finanziert wurden, auf einmal ein Geschenk. Denn die Vermieter können nun die im Mietspiegel vorgesehene Vergleichsmiete einfordern. Von „sozial“ ist dann keine Rede mehr. Zwei Mieterversammlungen führte das Mieternetzwerk Essen-Nord seit Dezember durch.

90 € plus, aber Mängelstau
Der Wegfall der Sozialbindung (von 1981) für die Wohnungen am Nienhuser Busch führt zwar zu einer Verteuerung zwischen 40 und 90 Euro im Monat. Andererseits wurde in der Vergangenheit wenig investiert, um lang bekannte Mängel in den Wohnungen zu beheben - diese Kritik formuliert das Mieternetzwerk.

Obwohl „investiert“ eigentlich nicht das richtige Wort ist. Es geht nicht um Investitionsgelder, die die Vermieterin obendrauf zahlen müsste, sondern rein um Reparaturen - das Geld hierfür ist fester Bestandteil jeder monatlichen Mietsumme. Mit der Miete hat ein Mieter bereits die Mängelbeseitigung abgegolten, den Vermieter dafür also entlohnt.

Entsprechend scharf war die Debatte im Evangelischen Gemeindezentrum am Katernberger Markt Mitte Dezember. Zwar erklärte die hier zuständige Prokuristin der Deutschen Annington Monika Tüller, dass die durchschnittliche Miete in den 1981 errichteten Mehrfamilienhäusern mit 5,37 Euro/m2 auch künftig unter der ortsüblichen Vergleichsmiete von 6,23 Euro/m2 liege. Für die Mieter bedeuten die Erhöhungen aber eine enorme Belastung.

Zwar wurde die Punktebewertung der umliegenden Wiese - quasi eine Gartennutzungsgebühr im Mietspiegel - zurück genommen (schließlich führte diese Gebühr in anderen Städten zu heftiger Kritik). Doch zugleich wurden die Häuser als „mittlere Wohnlage“ eingestuft. Hierzu gab es deutliche Kritik durch die Mieter. „Genau dieses Kriterium des Mietspiegels ist unscharf“, kritisiert auch Siw Mammitzsch, Geschäftsführerin der Mietergemeinschaft Essen.

Asbest im Boden
Wenig entgegenzusetzen hatte die Deutsche Annington der langen Mängelliste, die das Mieternetzwerk seit Jahren ständig aktuell hält und die Bearbeitung einfordert (wir berichteten): Die Gaszentralheizung fällt immer mal wieder aus. Wer Schimmel in der Wohnung hat, musste in der Vergangenheit bei der Schadensmeldestelle des Vermieters zig mal anrufen. Die anwesenden Vertreter der Annington versprachen aber: „Schimmel ist ein ‚no go‘!“. Soll heißen, in Zukunft wolle man hier sofort handeln. Aber auch die Gegensprechanlagen fallen häufiger aus, so dass ständig der Techniker gerufen werden muss. Selbst die seit Jahren ausstehende Entfernung von Asbest musste ein Mieter in der Versammlung erneut einfordern.

Entfernen wird die Deutsche Annington die Asbest-Bodenplatten übrigens nicht, wie eine anwesende Pressesprecherin noch einmal bestätigte. Die Bodenplatten enthielten „15 Prozent Asbest“ und „eine Gefahr“ gehe „nur von beschädigten Platten“ aus. Erst wenn eine Bodenplatte kaputt geht, sollte ein Mieter das Unternehmen schnellstens informieren. Dann werde man sofort handeln.

An der Mieterhöhung selber wird sich aber nichts ändern. Mittlerweile sind einige Mietparteien ausgezogen, andere suchen eine alternative Wohnung. Für Bezieher von ALG II-Leistungen wurde das Angebot unterbreitet, sich zu melden und dann werde man versuchen einen Umzug zu vermeiden. Denjenigen mit geringem Einkommen nutzt das wenig.


>>> Rechtsberatung für Mieterinnen und Mieter
 

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