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11. Juni 2015 (Vonovia, Aus den Städten)

Werden Eltingviertel-Mieter doch verdrängt?

Die Deutsche Annington hat in Kooperation mit der Innovation City ein umfangreiches Sanierungsprogramm im Essener Eltingviertel nördlich der City begonnen. Bisher konnten Mieter hier günstig wohnen - nun soll der Wohnstandard angehoben werden

Die Miete ist günstig. In die City kann man laufen und so am vollen Stadtleben teilhaben. Ein Auto ist nicht nötig, was für viele der Bewohner des Essener Eltingviertels gut ist, die sich kein Auto leisten können. Mit dem Sanierungsprojekt der Deutschen Annington (der gut 40 Prozent der Wohnungen im Viertel gehören) könnte damit bald Schluss sein, da nicht unbegründete Befürchtungen bestehen, dass dadurch einkommensschwache Mieter verdrängt werden. Der Prozess beginnt bereits, wie die Mietergemeinschaft Essen bei betroffenen Mietern sieht.

„Bei einigen wenigen Mietern wurde die Heizung bereits ausgetauscht (Nachtspeicher in Fernwärme), so dass hierfür eine Modernisierungserhöhung fällig wurde“, berichtet Siw Mammitzsch, Geschäftsführerin der Mietergemeinschaft Essen. "Hinzu kommt eine aktuelle Anpassung an die ortsübliche Vergleichsmiete, also eine erneute Mieterhöhung. Insgesamt liegen die Erhöhungen bei ca. 20 % und führen für die Bezieher von ALG II dazu, dass diese über die Grenze für die Kosten der Unterkunft kommen." Diese Mieterhöhungen werden zum 1. Juni 2015 fällig.

"Das führt mittelfristig zur Verdrängung", argumentiert Siw Mammitzsch, auch wenn der zuständige Deutschlandgeschäftsführer der Deutschen Annington, der Vorstandsvorsitzende Rolf Buch, dies verneint habe. Auf dem Zettel für die Sanierung hat der Vermieter einige Punkte: Nachtspeicheröfen werden gegen Fernwärme ausgetauscht, Balkone angebaut, Fenster erneuert, Keller- und Geschossdecken gedämmt, Freiflächen in den großen Innenhöfen umgestaltet.

Unbekanntes, ganzheitliches Konzept

Was aber genau hinter der angekündigten "ganzheitlichen Quartiertsentwicklung" steckt, das wüsste die Mietergemeinschaft Essen gerne genauer und schrieb nun den Geschäftsführer der Innovation City, Burkhard Drescher, an. Warum, das erklärt Siw Mammitzsch: "Wir möchten z.B. gerne wissen, was das genau für Entwicklungsbereiche sind, für die die Innovation City ein Konzept erarbeitet hat. Auch über mögliche Fördermittel, welche die Innovation City Ruhr in Anspruch nehmen wird, um die angekündigten Sanierungsmaßnahmen umsetzen zu können, erwarten wir mehr Informationen."

Auch über die Beteiligungsmöglichkeiten der Bewohner des Viertels möchte die Mietergemeinschaft informiert werden, weil "die ihrerseits reichlich Ideen einbringen könnten, welche Maßnahmen geeignet wären, das Leben im Viertel zu bereichern."

Der Umbau eines ganzen Viertels, eine Verbindung an das neu geschaffene Univiertel, ist auch aus Sicht der Mietergemeinschaft Essen begrüßenswert. Aber nur, wenn dies im Sinne der bisherigen Mieter passiert. Was die zu erwarten haben, darauf gibt es bisher zu wenig Antwort (bis auf die zwangsläufige Entwicklung höherer Mieten). Die im April vorgelegte sechsseitige Projektpräsentation lässt viel Spielraum offen.

Sorgen machen sich die Projektpartner indes nicht und listen kurzentschlossen auf, dass die entsprechenden Ratsbeschlüsse (so die Präsentation) eben noch "herbeigeführt" werden müssten. Bisher ist hier nichts dingfest, auch wenn die Erwähnung des Programms "Soziale Stadt", welche es für Altenessen Süd/Nordviertel gibt, anderes suggeriert. In den bisherigen Planungen zu dem Förderprogramm waren die konkreten Umsetzungen im Eltingviertel aber eben noch kein Thema.

„Wir erhoffen und mehr Informationen, auch weil die Deutsche Annington eine Mieterversammlung im Viertel vorgesehen hat.“ Siw Mammitzsch will die Erkenntnisse aus dieser Versammlung abwarten: „aber wir werden dranbleiben und Druck machen, dass die bisherigen Mieter bleiben können.“

Info: Kein Einzelfall


Bereits ohne die künftigen Quartiersumbildungen kommt es für Einzelmieter zu Mieterhöhungen - so auch für eine Mutter zweier behinderter Kinder, die auf den Bezug von ALG-II angewiesen ist. Bereits die aktuelle Mieterhöhung hätte für die Mieterin bedeutet, dass sie über der zulässigen Grundmiete gelegen und ein Umzug gedroht hätte. Mit Unterstützung der Mietergemeinschaft Essen konnte erreicht werden, dass die Deutsche Annington auf einen Teil der Mietanpassung verzichtet. Die Familie kann im Viertel wohnen bleiben - noch. Künftige Änderungen des Wohnumfeldes werden weitere Erhöhungen nach sich ziehen. Wird die Miete weiter nach oben angepasst, werden die Jobcenter-Grenzwerte überschritten. Wer ALG II bezieht, wird sich das Wohnen im Viertel bald nicht mehr leisten können.


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