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6. April 2016 (Aus den Städten)

Wohnberatung: Mittelpunkt Mensch

Wie kann ich mein Bad barrierefrei gestalten? Kann mein Vermieter für mich im Treppenhaus einen zweiten Handlauf montieren? Und wer zahlt das eigentlich alles? Seit mehr als 25 Jahren ist der Kreuzviertelverein als Träger der Wohnberatung die erste Anlaufstelle, wenn es um genau diese Fragen geht. Neben den passenden Antworten und Hilfe bei großen und kleinen Alltagsproblemen haben die beiden Experten Petra Bank und Jan Hoppmann aber vor allen Dingen eines: Zeit, Geduld und ein offenes Ohr für die individuellen Sorgen und Bedürfnisse ihrer Klienten.

Im Innenhof des Pfarramtes in der Kreuzstraße 61 befindet sich seit Ende der 1980er-Jahre die Dortmunder Wohnberatung. Die Räumlichkeit ist klein und zweckmäßig eingerichtet. Zwei Schreibtische, eine ganze Regalwand voller Bücher und Aktenordner, jede Menge Infomaterial. Aber Bank und Hoppmann sitzen hier auch nicht an fünf Tagen in der Woche von 9.00 bis 18.00 Uhr. Ein Großteil ihrer Arbeit passiert draußen. In den Wohnungen der Ratsuchenden. „Nur wenige Beratungen finden hier in unseren Büroräumen statt. In der Regel besuchen wir die Ratsuchenden nach telefonischer Absprache direkt in ihren Wohnungen. So können wir uns ein Bild von den Begebenheiten machen und auch auf Punkte hinweisen, auf die die Bewohner vielleicht noch gar nicht gekommen sind“, sagt Petra Bank. Die Sozialpädagogin ist seit den Anfangstagen der Wohnberatung dabei und hat – gemeinsam mit dem 2009 verstorbenen Theo Hengesbach – die Arbeit des Kreuzviertelvereins in den vergangenen Jahrzehnten geprägt. Dass sie – nach über 25 Jahren Beratungstätigkeit – die dienstälteste Wohnberaterin in NRW ist, zeigt einerseits ihr ganz persönliches Bedürfnis, die Wohnsituation von Hilfebedürftigen zu verbessern, andererseits aber auch die Vorreiterrolle, die der Kreuzviertelverein eingenommen hat. Ende der 1980er-Jahre hatte das Thema barrierefreies Wohnen keinesfalls den Stellenwert, den es heute einnimmt.

Kostenlos

Jan Hoppmann ist seit 2010 der Kollege von Petra Bank. Der Sozialarbeiter steht auch für den Generationswechsel in der Wohnberatung. Ein frischer Wind eben der die Arbeit bereichert, neue Impulse einbringt und der die traditionsreiche Arbeit der Wohnberatung langfristig sichert. Wie groß der Bedarf an Beratung ist, zeigt der Terminkalender der beiden. Etwa 200 Hausbesuche machen sie im Jahr, informieren über Treppenlifte, Stolperfallen, bodengleiche Duschen und Hilfsinstrumente zum Öffnen von Türen und Fenstern. „Ganz wichtig ist die Tatsache, dass unsere Beratung für den Ratsuchenden komplett kostenlos bleibt“, betont Hoppmann. „Und es spielt ebenfalls keine Rolle, ob es sich um eine Miet- oder Eigentumswohnung oder ein Einfamilienhaus handelt.“ Trotzdem unterscheiden sich die Schwerpunkte. In Mietwohnungen stehen häufig Fragen im Vordergrund, ob und was der Vermieter finanzieren kann, muss, will. Ein Faktor, der beim Eigentum natürlich wegfällt.

„Es geht aber nicht immer nur um die großen baulichen Veränderungen“, sagt Petra Bank. „Vielfach sind es kleine Veränderungen die viel bewirken. Etwa das Umstellen von Möbeln, das Beseitigen von Stolperfallen oder ein Licht- und Farbkonzept, das auf die Bedürfnisse des Bewohners ausgerichtet ist. Insbesondere bei Demenzerkrankten kann das geschickte Ausleuchten und Verdunkeln einzelner Wohnungsbereiche Ängste mindern und das Wohlbefinden in den eigenen vier Wänden erheblich steigern.“

Unabhängig

Finanziert wird die Beratung mit den beiden Vollzeitstellen zu jeweils 50 Prozent durch die Kommune und die Pflegekassen. Darüber hinaus bekommt der Kreuzviertelverein als Träger auch Spenden von Privatpersonen und Unternehmen, wie etwa der DOGEWO21. „Trotzdem beraten wir natürlich vollkommen unabhängig und neutral“, betont die Sozialpädagogin. Ihre Erfahrung aus Jahrzehnten der Wohnberatung wird geschätzt, nicht nur von den Klienten. Bank und Hoppmann halten Vorträge zu Themen wie „Unfallgefahren und Unfallvermeidung im Haushalt“, „Hilfsmittel für ältere Menschen“ oder „Wohnberatung für Demenzkranke und ihre Angehörigen“. Zielgruppen sind Pflegeschüler, Mitarbeiter von Krankenkassen oder andere Beratungsstellen, die sich mit dem Thema Barrierefreiheit beschäftigen. Und auch, wenn die Arbeit mit und für Senioren einen großen Bereich abdeckt – die Wohnberatung ist nicht ausschließlich ein Angebot für alte Menschen und deren Angehörige. „Auch Familien mit beeinträchtigten Kindern können die Angebote des Kreuzviertelvereins in Anspruch nehmen. Oder Menschen, die etwa durch einen Unfall plötzlich und dauerhaft auf den Rollstuhl angewiesen sind“, erklärt Hoppmann. Dass Barrierefreiheit oft mit seniorengerecht gleichgesetzt wird merkt man auch am Wohnungsmarkt. „Es werden zwar immer mehr Wohnungen barrierearm ausgestattet, aber die sind in der Regel klein – eben gut für Senioren geeignet“, verdeutlicht Petra Bank. „Eine rollstuhlgerechte Familienwohnung mit 80 oder 100 Quadratmetern auf dem freien Markt zu finden, ist sehr schwer.“

Vernetzt

Der Erfolg der Wohnberatung liegt auch im Netzwerk, das man seit den Anfangstagen stetig weiter gespannt hat. 1999 wurde die Landesarbeitsgemeinschaft Wohnberatung NRW in Dortmund gegründet, ebenfalls auf Initiative von Theo Hengesbach und dem Kreuzviertelverein. Über 90 Einrichtungen sind dort Mitglied. Sie profitieren vom Informationsaustausch, leiten Anfragen weiter und bilden gemeinsam auf Landesebene eine starke politische Interessenvertretung. Die Rechtsberatung des Mietervereins Dortmund und die Wohnberatung stehen ebenfalls im engen Austausch und verweisen Interessenten bei Bedarf an die Experten des jeweils anderen Vereins. Aber auch der Kontakt zu einzelnen Politikern in Land und Kommunen sowie zu großen Wohnungsunternehmen ist gut. Man schätzt und respektiert die wichtige Arbeit, die seit einem Vierteljahrhundert an der Kreuzstraße geleistet wird. (mik)

Interessenten erreichen die Wohnberatung des Kreuzviertelvereins täglich ab 8.00 Uhr telefonisch unter 0231 124676. Wenn Bank und Hoppmann bei Beratungsgesprächen sind, springt ein Anrufbeantworter an. Eine Kontaktaufnahme über die Homepagedes Vereins unter www.kreuzviertel-verein.de bzw. per E-Mail an kontakt@kreuzviertel-verein.deist ebenfalls möglich.


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