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6. April 2016 (Aus den Städten)

Sozialer Wohnungsbau: Erste Schritte auf langem Weg

„Zahl der Sozialwohnungen sinkt dramatisch“, schreibt der Spiegel 2012. „Der soziale Wohnungsbau muss aus der Krise“, schreibt die Frankfurter Rundschau 2013. „Weniger Sozialwohnungen in Deutschland“, schreibt die Zeit 2015. Auch in Dortmund ging die Zahl zurück. Im Jahr 2000 gab es noch rund 53.000 Sozialwohnungen, im Jahr 2012 waren es nur noch 28.000. Ein Verlust von 25.000 öffentlich geförderten Wohnungen in nur 12 Jahren. Die Krise des öffentlich geförderten, bezahlbaren Wohnraums ist nicht neu. Doch reichen die Handlungen die den Apellen folgen, aus?

Ende des vergangenen Jahres schnürte das Bundesbauministerium ein 500-Millionen-Euro-Paket, das 2016 den sozialen Wohnungsbau ankurbeln soll. Auch das Land NRW hat die Förderbedingungen für Vermieter attraktiver gemacht indem die Summen der vergünstigten Darlehn erhöht wurden und außerdem anteilige Tilgungsnachlässe und damit Zuschüsse eingeführt worden sind. Doch wie sieht es bei den großen Wohnungsunternehmen vor Ort aus? Wir haben die wichtigsten Akteure auf dem Dortmunder Wohnungsmarkt nach ihren Neubauplänen befragt. Wird es in naher Zukunft neue geförderte Wohnungen mit einer mit einer Anfangsmiete von 5,25 Euro pro Quadratmeter in Dortmund geben? Werden Bestände mithilfe öffentlicher Mittel saniert und erhalten dadurch eine neue Mietpreisbindung? Und in welcher Größenordnung findet dies statt?

Die Stadt Dortmund

Um die Unterbringung von Flüchtlingen sicherzustellen, wird die Stadt Dortmund mithilfe des städtischen Sondervermögens „Grundstücks- und Vermögensverwaltungsfonds Dortmund“ selbst als Bauherrin aktiv. Auf stadteigenen Grundstücken in Mengede, am Erdbeerfeld und in Lütgendortmund in der Holtestr. werden in diesem Jahr mehr als 100 Wohneinheiten gebaut. Rund 60 Prozent der Wohnungen sind für Flüchtlinge vorgesehen, der Rest ist für Berechtigte gemäß der Bestimmungen des sozialen Wohnungsbaus.

Vonovia

Das börsennotierte Wohnungsunternehmen beschäftigt sich nach eigener Aussage intensiv mit dem Thema Neubau. Mit einem Konzept des standardisierten Bauens versucht das Unternehmen Baukosten zu minimieren. Dortmund ist eine der ersten Städte, in denen ein „vorelementiertes Bausystem“ umgesetzt werden soll. Zu den genauen Standorten schweigt Vonovia. Wie günstig letztendlich die Mieten in diesen Neubauprojekten sein werden, bleibt unkonkret: Öffentlich geförderter Wohnraum sei in Dortmund ein wichtiges Thema und würde für entsprechende Projekte in Betracht gezogen, heißt es. Grundsätzlich würden die Mieten aber dem Markt entsprechen.

DOGEWO21

Konkreteres weiß Pressesprecherin Regine Stoerring von der DOGEWO21 zu berichten: „Wir planen den Neubau von vier Häusern mit insgesamt 48 Wohnungen. Der Baubeginn ist für 2016 vorgesehen.“ Alle 48 Wohnungen, werden öffentlichgefördert sein und liegen in Dortmund-Bövinghausen. Die Nachverdichtung – also das Bauen auf Freiflächen des Unternehmens – ist für die DOGEWO21 kein Thema mehr. „Alle Möglichkeiten zur Nachverdichtung im vorhandenen Bestand haben wir bereits vor Jahren ausgeschöpft“, so Regine Stoerring. „Auch wir wissen natürlich um den wachsenden Bedarf an bezahlbarem Wohnraum in unserer Stadt. Wir suchen daher nach kreativen Möglichkeiten, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, ohne neu zu bauen. In Kürze werden wir in einem Pilotprojekt im Bestand im Ortsteil Eving drei Dachböden zu Wohnungen aus und -umbauen. So können wir bezahlbaren Wohnraum schaffen, der kostengünstig
und schnell zur Verfügung steht.“

LEG

Die LEG plant in den kommenden 18 Monaten zwar Wohnungsbau durch Nachverdichtung in Westfalen, wird sich in Dortmund aber auf die Bestandsbewirtschaftung konzentrieren. Im Rahmen der Landesinitiative „Besser Wohnen – Energetische Sanierungsplus“ modernisiert die LEG in diesem Jahr allerdings drei Häuser mit insgesamt 48 Wohnungen. Die Gebäude auf der Meylantstraße 2,4 und 17 werden in erster Linie energetisch saniert, das Haus auf der Meylantstraße 17 wird zusätzlich barrierearm umgebaut. Durch die in Anspruch genommene Förderung werden die entsprechenden Wohnungen mietpreisgebunden sein.

Vivawest

Das Wohnungsunternehmen mit Sitz in Gelsenkirchen plant in den kommenden anderthalb Jahren ebenfalls den Bau neuer Sozialwohnungen. Am Bellwinkelhof in Dortmund-Scharnhorst entstehen seit Februar 46 öffentlich geförderte Neubauwohnungen. In Berghofen werden 37 Vivawest- Bestandswohnungen mit Mitteln der KfW energetisch saniert. Daraus entstehen neue, langfristige Mietpreisbindungen. Weitere Nachverdichtungspotenziale sieht das Unternehmen in Dortmund-Huckarde und Scharnhorst.

Spar- und Bauverein

Der Spar- und Bauverein plant für das Jahr 2016 Investitionen in Höhe von ca. 47 Millionen Euro für Modernisierung, Instandhaltung und Neubau. Neben Projekten mit gehobener Ausstattung – etwa am Phoenixsee – entstehen auch rund 80 preisgebundene Wohnheinheiten – 70 davon in Dortmund-Schüren, zehn in Dortmund Brackel. Nachverdichtungen auf den Flächen des Spar- und Bauvereins sind nicht geplant. Auch im Bereich Sanierungen ist der Spar- und Bauverein aktiv. Im vergangenen Jahr wurden für 166 Wohnungen Fördermittel in Anspruch genommen, die entweder zu einer Verlängerung oder zu neuen Preis- und Belegungsbindungen führten. Die Wohnungszahl verteilt sich auf drei Projekte in Brackel, Wambel und Hacheney. In diesem Jahr werden ca. 60 Wohnungen in Brechten, Dorstfeld und Kirchderne mithilfe öffentlicher Mittel saniert und bleiben damit preisgebunden.

Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft (gwg)

Auch wenn die Genossenschaft einrelativ kleiner Akteur am Dortmunder Wohnungsmarkt ist und sich deren Bestand größtenteils auf die Bereiche Innenstadt und Kreuzviertel konzentriert, schafft die gwg im kommenden Jahr 29 neue Wohneinheiten in Asseln. 24 davon werden öffentlich gefördert sein. Die ca.60 Quadratmeter großen Wohneinheiten werden barrierefrei sein und sich somit besonders gut für Senioren eignen. Das Grundstück für dieses Bauvorhaben wurde von der gwg neu erworben, es handelt sich also nicht um eine Nachverdichtung.

Fazit

Im Vergleich zu den Vorjahren steigen die Neubauzahlen in Dortmund wieder deutlich an und dämpfen mit den Sanierungen im Bestand den Rückgang an preisgebundenen Wohnungen. Für Tobias Scholz vom Mieterverein ist das eine positive Entwicklung, die aber nicht über den weitaus höheren Bedarf hinwegtäuschen dürfe: „Wir begrüßen daher ausdrücklich auch den Wiedereinstieg der Stadt Dortmund in den kommunalen Wohnungsbau und die bereits 2013 beschlossene 25% Quote für geförderte Mietwohnungen bei neuen Baugebieten und dem Verkauf städtischer Grundstücke.“
(Mirko Kussin)


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