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5. Oktober 2016 (Vonovia)

Wenn der Objektbetreuer zwei mal klingelt ...

... dann will er nicht die defekte Glühbirne im Kellerflur auswechseln. Das größte deutsche Wohnungsunternehmen, das seit Kurzem Vonovia heißt, hat ein recht wechselvolles Verhältnis zu seinen Hausmeistern. Erst wurden sie komplett abgeschafft, ein paar Jahre später wieder eingeführt, aber Objektbetreuer genannt. Und nun hat man an der Philippstraße in Bochum eine ganz neues Tätigkeitsfeld für die offenbar unterbeschäftigten Leute entdeckt: Die Paketzustellung für Mieter.

Um die Objektbetreuer der Vonovia gab es schon reichlich Ärger, als das Unternehmen noch „Deutsche Annington“ hieß. Viele Mieter bemängeln, dass man diese Leute nie zu Gesicht bekommt – und verspüren wenig Lust, sie zu bezahlen. Mietervereine beanstanden reihenweise Nebenkosten-Abrechnungen, weil Arbeitszeiten von Objektbetreuern nicht fehlerfrei einzelnen Wohnanlagen zugeordnet werden können oder weil nicht getrennt ausgewiesen wird, in welchem Umfang die Objektbetreuer Verwaltungstätigkeiten oder Reparaturen durchführen. Dafür müssen Mieter nämlich nicht zahlen. In Zukunft wird alles noch viel komplizierter. Denn mit der Zustellung von Paketen übernehmen die Objektbetreuer künftig eine Dienstleistung für einen Dritten, der mit dem Mietverhältnis gar nichts zu tun hat: die DHL.

Kontroverse Meinungen

Wilfried Seidel aus Essen-Katernberg staunte nicht schlecht, als er an diesem Juli-Morgen seine Post aufmachte. Dabei war ein Schreiben seiner Vermieterin Vonovia, die ihm mitteilte, dass er seine Pakete künftig von Montag bis Freitag nicht mehr von der DHL, sondern von seinem Objektbetreuer bekommen werde. Dort könne er das Paket auch innerhalb von 7 Tagen abholen, wenn der Objektbetreuer ihn nicht angetroffen habe. Vonovia und DHL wollten damit einen Beitrag zum Umweltschutz leisten, weil so weitere Wege vermieden werden könnten.

Wilfried Seidel war von dem Angebot tatsächlich ganz angetan – sein Objektbetreuer ist für ihn näher und öfter erreichbar als die nächste Abholstation der Post.  Ganz anders sieht das seine Nachbarin Petra Leonartz, die wie er im „Mieternetzwerk Essen Nord“ aktiv ist. „Ich will nicht, dass mein Objektbetreuer weiß, welche Pakete ich bekomme. Der DHL-Zusteller ist an das Postgeheimnis gebunden.“ Außerdem kritisiert die Mieterin die „Zwangsbeglückung“: „Niemand hat mich gefragt, ob ich das überhaupt will; und keiner hat mich informiert, was ich tun kann, um meine Pakete weiterhin von der DHL zu bekommen.“

Testphase

Für die Vonovia hat das Ganze erst einmal Versuchscharakter: „Bei dem Projekt handelt es sich um einen Test, der nur in einem Teil unserer Bestände in Essen durchgeführt wird“, sagte Pressesprecher Max Niklas Gille unserer Zeitschrift. „Ziel ist es, Erfahrungen zu sammeln und natürlich auch zu gucken, inwieweit dieser zusätzliche Service von unseren Kunden angenommen wird. Die ersten Rückmeldungen dazu sind sehr positiv. Eine Zustellung auf diese Art kann beispielsweise den innerstädtischen Verkehr reduzieren. Außerdem ist, so beobachten wir bisher, die Zustellungsquote höher als bei konventioneller Zustellung. Der Grund ist einfach: Der Objektbetreuer ist länger vor Ort als ein Paketbote, der ein großes Gebiet anfährt. Daher kann er mehrfach versuchen, Mieter zu erreichen.“

Für Rechtsberaterin Sabine Mosler vom Mieterverein ist wichtig, dass für die Mieter dadurch keine Kosten entstehen dürfen: „Die Arbeitszeit, die der Objektbetreuer für die Zustellung von DHL-Paketen benötigt, hat in der Nebenkostenabrechnung der Mieter nichts zu suchen. Das muss genauso herausgerechnet werden wie Verwaltungs- und Reparaturtätigkeiten.“


>>> Rechtsberatung für Mieterinnen und Mieter
 

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