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13. Juni 2017 (Aus den Städten)

Interview zum Dortmunder Wohnungsmarkt: Die Strukturen funktionieren

Mieterforum sprach mit Thomas Böhm, Leiter des Dortmunder Amtes für Wohnen und Stadterneuerung, über die aktuelle Situation am Dortmunder Wohnungsmarkt.

MF: Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Zweckentfremdungssatzung in den letzten fünf Jahren?

Thomas Böhm: Die Satzung war der richtige Weg. Als wir sie 2012 wieder eingesetzt haben, standen in Lanstrop mehrere hundert Wohnungen leer, in Westerfilde betrug der Leerstand rund 20 Prozent, und wir hatten Investoren, die nicht mit uns sprachen. Heute gibt es fast keinen Leerstand mehr, weil Dortmund wächst und Wohnraum stark nachgefragt wird. Jetzt werden wir bei jeder Umnutzung und jedem Abriss benachrichtigt. Wenn jemand Wohnraum abreißt, ist er außerdem zum Bau von Ersatzwohnraum oder zu Abstandszahlungen verpflichtet. Diese kommen aber grundsätzlich nicht zur Anwendung, und in der Regel werden nach einem Abriss deutlich mehr neue Wohnungen gebaut als vorher weggefallen sind.

MF: Mehr als 100.000 Menschen erhalten in Dortmund Transferleistungen, jeder Zweite hat formal Anspruch auf eine Sozialwohnung. Die Nachfrage beim Wohnungsamt steigt, die Zahl der erfolgreichen Vermittlungen ist 2016 gesunken. Wie schätzen Sie die Situa-tion ein?

TB: Dass wir 2016 weniger Wohnungen vermitteln konnten als im Jahr zuvor, liegt natürlich auch an der kontinuierlichen Verknappung des Wohnungsangebots. Viele Haushalte, die sich beim Amt für Wohnen und Stadterneuerung für eine Wohnung vormerken, müssen teilweise schon Geduld aufbringen. Außerdem kommen nicht nur Menschen mit wenig Geld zu uns, sondern auch Menschen, die zum Beispiel einen negativen Schufa-Eintrag haben oder aus anderen Gründen auf dem freien Markt nicht fündig werden. Schwierig ist es tatsächlich bei großen Familien mit acht, neun, zehn Personen. Sie warten wirklich lange, weil es den Wohnraum für sie einfach nicht gibt.

MF: Die Stadt baut mittlerweile auch selbst. Wie sieht die Stadt hier ihre Rolle?

TB: Eigentlich liegt es nicht im Kerngeschäft einer Kommune, als Vermieterin aufzutreten. Wir hatten das auch lange nicht mehr gemacht. Mit dem ersten Bauvorhaben in Mengede, das Ende 2015 gestartet ist und in diesem Herbst fertig sein soll, wollten wir beim Wohnungsbau vorangehen. Nun machen wir mit den Profis weiter – gemeinsam mit der Dortmunder Stadtentwicklungsgesellschaft sind weitere Projekte in der Planung, konkret eines in Huckarde mit 24 geförderten Wohnungen.

MF: Wie ist Ihr Ausblick?

TB: Die Rahmenbedingungen sind im Moment genial, was die Förderung angeht: zehn Jahre Zinsfreiheit im Neubau, hohe Zuschüsse durch Tilgungsnachlässe, das mehrjährige Wohnungsbauprogramm, das Globalbudget, das uns Planungssicherheit und Flexibilität bietet. Wie es 2018 aussehen wird, wissen wir nicht. Es wäre unrealistisch, auch aufgrund des Wissens, dass es bezahlbaren und geförderten Wohnraum braucht, die Strukturen der letzten Jahre zu zerstören. Darauf möchte ich auch nicht verzichten, weil sie funktionieren.


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