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12. Dezember 2017 (Aus den Städten)

Kommentar: Bochums Leerstände? Kein Problem!

„Bochum hat kein Problem mit Leerständen.“ Also sprach Stadtbaurat Markus Bradtke in der Sitzung des Strukturentwicklungsausschusses einen Tag vor der Ratssitzung, in der die Verabschiedung einer Zweckentfremdungssatzung abgelehnt wurde. Und wiederholt es seither bei jeder öffentlichen Gelegenheit. Um diese Aussage zu stützen, hat er sogar eigens die Statistik umschreiben lassen, so dass sie von einem Tag auf den anderen 1.800 Leerstände weniger auswies. Nur noch 2,9 statt 3,9 Prozent.

Aber was heißt denn „kein Problem mit Leerständen“? Wäre eine hohe Leerstandsquote ein Problem für die Stadt? Wohl nicht – höchstens für die Vermieter, die für einen Teil ihrer Wohnungen keine Mieter finden und deshalb weniger Geld verdienen.

Wäre eine niedrige Leerstandsquote ein Problem für die Stadt? Schon eher. Denn das wäre ein Indikator für einen engen Wohnungsmarkt, auf dem Wohnungssuchende nur noch unter Schwierigkeiten eine neue Bleibe finden. Dortmund hat 2012 die erste kommunale Zweckentfremdungssatzung in NRW allein mit der niedrigen Leerstandsquote von unter 2 Prozent begründet.

Wir meinen: Egal ob 1.000, 5.000 oder 10.000 – Leerstände sind ein Problem für eine Stadt, in der auf dem Wohnungsmarkt in allen Segmenten die Nachfrage das Angebot übersteigt. Und dass das so ist, sagt die Stadtverwaltung selbst. Leerstände sind ein Problem für eine Stadt, in der selbst so ein ehrgeiziges Ziel wie 800 neue Wohnungen jährlich das Angebot nur um 0,4 Prozent erhöhen würde – wenn es denn überhaupt erreicht wird. Leerstände sind ein Problem für eine Stadt, in der 3.000 Flüchtlinge auch zwei Jahre nach ihrer Ankunft noch in Notunterkünften leben.

Ein Problem, das nicht nur der Stadtbaurat, sondern auch die ganz überwiegende Mehrheit im Rat der Stadt nicht lösen möchte. Namentlich SPD, CDU, FDP/Stadtgestalter, UWG, Freie Bürger, AfD, NPD und Pro NRW.                                        

aha


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