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4. März 2007 (Aus den Städten)

Woldrüggen: Ein Stück Essener Wohnkultur geht verloren

Der Woldrüggen in Essen-Kray ist bekannt und beliebt wegen seiner großzügigen Wohnflächen, überschaubaren Häuserzeilen und der gepflegten Umgebung. Jahrzehntelang wohnten Familien mit ihren Kindern hier. Alt und Jung in einer Siedlung, die als Vorbild für Wohnkultur galt. Doch in diesen Tagen rückten die Bagger an, um dieser Idylle ein Ende zu bereiten. Die Häuserreihen 15-39 werden komplett abgerissen und neue "hochwertige" Mehrfamilienhäuser errichtet.

Rücksicht auf die 43 Mietparteien? Fehlanzeige! Kurzfristig erfuhren sie auf einer Mieterversammlung, dass sie innerhalb der nächsten Monate ihre Wohnungen zu verlassen haben, selbst hochbetagten Mietern wurde ein Umzug zugemutet. Sie wurden aus ihrer langjährig gewachsenen und gewohnten Umgebung herausgerissen. Jeglicher Protest war zwecklos und nach einigen Wochen resignierten die Mieter und zogen nach und nach aus.
Gegen eine Renovierung des alten vorhandenen Baubestandes hätten die Mieterinnen und Mieter ja nichts einzuwenden gehabt, doch das kommunale Wohnungsunternehmen Allbau hatte andere Pläne. Die Siedlung sollte zwar als Einheit erhalten bleiben, auch der Grünbereich sollte von den Planungen unberührt bleiben, aber wie sollen die Versprechungen gehalten werden?
Statt Mietwohnungen entstehen zum Teil Eigentumswohnungen. Für Parterrewohnungen werden Privat-Gärten aus dem öffentlichen Grün heraus geschnitten. Eine ganz andere soziale Gruppe wird in diesen Teil der Siedlung ziehen.
Zwar stellte die Allbau AG Wohnungen für die vertriebenen Familien zur Verfügung, doch viele hatten in jahrelanger Eigeninitiative ihre Wohnungen zu Schmuckstücken hergerichtet und mit Einbaumobiliar versehen, das sie in der neuen Wohnung nicht mehr aufstellen konnten. Ein Zurückziehen in die neu entstehenden „hochwertigen“ Wohnungen können sie sich nicht leisten. Nur zwei Familien planen den Einzug in den Neubau.
„Zwischen Südpark und Steeler City - ein Quartier für alle Generationen“ nennt die Wohnungsgesellschaft hochtrabend ihr Projekt. Was der Allbau anstrebt, wurde aber mit der Vertreibung der älteren Mieter ins Gegenteil gekehrt. Gerade die jungen Leute aus den abgerissenen Häusern sind ganz weggezogen.
Wie so oft sind auch hier die Wirtschaftsinteressen des Unternehmens höher angesetzt worden, als die Rechte der Menschen, die dort wohnten.


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