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5. März 2007 (Gagfah, Vonovia)

Heuschrecken-Hochzeit: Wird Annington an GAGFAH verkauft?

Der oberste Boss über die 230.000 Annington-Wohnungen in Deutschland, der britische Terra-Firma-Chef Guy Hands, hat bestätigt, dass es Überlegungen zum Verkauf der Deutschen Annington (DA - Ex-Viterra, Bahnwohnungen, Deutschbau) an den Hauptkonkurrenten, die vom US-Finanzinvestor Fortress an die Börse gebrachte GAGFAH, gibt. Damit würde das angeblich "langfristige" Engagement der britischen Fondsgesellschaft auf dem deutschen Mietwohnungsmarkt ganz schnell beendet. Zugleich hätte die GAGFAH über 400.000 Wohnungen in Deutschland und wäre damit der größte private Vermieter in Europa.

Eine gewaltige Macht, an der vorbei kaum noch Wohnungspolitik gemacht werden kann. Für die Mieter heißt das nichts Gutes.
Denn der Fortress-Gagfah-Konzern macht – trotz der sogenannten Sozialcharten - durch besonders hohe Mietsteigerungen auf sich aufmerksam - so in Frankfurt und Dresden.
Was die Überlegung für TerraFirma zu einer "Traumlösung" (Guy Hands) macht: Fortress hat seine Eroberungen bereits mit Erfolg über eine Luxemburger Holding an die Börse gebracht, - unter Umgehung der deutschen Steuern. Terra Firma/Annington dagegen hat einen ebenfalls geplanten Börsengang auf mindestens Herbst 2007 verschieben müssen. Schneller war eine weitere Steuerflucht-Holding nicht aufzubauen.
Im letzten Dezember bereits hatte Guy Hands seinen DA-Chef Volker Riebel gefeuert. War er beim Börsengang zu langsam?
Mieterforum Ruhr sah die Gefahr, dass es jetzt rabiater zugehen wird bei Annington. Denn Riebel stand u.a. wegen Mieterschutz im Wort. In einem Gespräch mit dem Mieterforum beteuerten die neuen Annington-Chefs jedoch, dass sich nichts ändere, außer zum Guten für die Mieter. So werde das Privatisierungsprogramm bis auf Restabwicklungen beendet. Auch sei man zu Modernisierungsinvestitionen, gar zukunftsweisenden Projekten bereit.
Der Markt für Eigentumswohnungen sei momentan nicht attraktiv. Deshalb setze man jetzt vermehrt auf die dauerhafte Bewirtschaftung des Bestandes.
Geld verdiene man durch Wachstum.
In der Tat hat die Annington den einst ausgegliederten Mira-Bestand zurückgeholt. Am Aufkauf von großen Wohnungspaketen lässt sich tatsächlich viel Geld verdienen. Wenn der Kauf aus günstigen Krediten finanziert wird, steigt die Gewinnquote auf das geringe eingesetzte Eigenkapital. Die Hypotheken werden weltweit gehandelt. Für das Wohnungsunternehmen freilich heißt das, dass es immer höher verschuldet ist. Der Finanzinvestor muss sehen, dass er es möglichst wieder losschlägt, bevor die wirtschaftlichen Probleme beginnen.
Für diesen Ausstieg gibt es grundsätzlich zwei Lösungen: Börsengang, am besten über die steuerbegünstigten REITs. Und wenn die in Deutschland nicht kommen, bastelt man sich eben welche, wie Immeo in Frankreich und Fortress über Luxemburg. Die zweite Lösung ist der Komplettverkauf an den Konkurrenten.
Es wird immer rabiater: Fast eine halbe Million Sozial-Wohnungen sind zur Spekulationsmasse von zwei Heuschrecken geworden, die sich zu riesigen
Kraken aufblasen. Das kann nur ein böses Ende nehmen.


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