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2. Dezember 2008 (Ohne Kategorie)

Herner im (Un-) Ruhestand

Unser erstes Beispiel für ein Wohnprojekt, dass sich speziell an Mieter wendet, führt uns nach Herne-Baukau. Konkret geht es sogar vornehmlich um Mieter von Sozialwohnungen - also Leute mit eher wenig Geld. Und es geht um ältere Mieter. Mieter, die seit 1992 eine Alternative zum Seniorenheim suchen - und inzwischen gefunden haben.

Samstag Nachmittag im Herner Norden. Eine Gruppe von knapp 40 ältere Herr- und Damschaften schlendert, in angeregte Unterhaltungen vertieft, vom Bahnhof in Richtung Dornstraße. Ihr Ziel ist der Pavillon im Hinterhof des Eckhauses. Dort versammeln sie sich immer, wenn sie unterwegs waren. Und dort treffen sie die, die nicht mitkommen konnten, und erzählen von ihren Eindrücken.

Diesmal waren sie in der Firma Sindern in Recklinghausen, eine Bäckerei alten Schlages. Hier wird noch mit Sauerteig gebacken und im Moment beherrscht die Weihnachtsbäckerei das Geschäft. Marzipantiere wurden auf Wunsch für die Gäste geformt. Alles in allem ein beeindruckendes Erlebnis.

Eines von vielen. Nächste Woche werden sie zu einer Abendvorstellung in den "Mondpalast" in Wanne-Eickel fahren, im September erst gab es eine siebentägige Pommernfahrt. Und das geht das ganze Jahr so. Denn diese Menschen leben im Un-Ruhestand.

"WIR - Wohnen im (Un-)Ruhestand" heißt auch der Verein, der all diese Aktivitäten organisiert.Er entstand aus einer Wohngruppe in der Herner Diakonie, in der sich ab 1992 ein gutes halbes Dutzend Menschen regelmäßig trafen und über die Frage diskutierten: Wie möchten wir im Alter wohnen?

Irmgard Winter, heute 79 Jahre alt, war eine von ihnen. "Wir haben uns gefragt: Wie muss eine Wohnung sein, damit man auch mit Behinderungen darin leben kann?" Breite Türen, keine Schwellen, ebene Dusche, ein Aufzug, der auch wirklich auf allen Ebenen hält, die man erreichen muss ... Den Begriff "barrierefrei" gab es ja damals noch nicht. Heute ist man in diesem Dingen sehr viel weiter."

Schnell war eine Linie gefunden. Nicht Wohn-, aber Hausgemeinschaften sollten es sein, in denen sich nachbarschaftliche Hilfen leicht organisieren ließen, und in denen man bis zuletzt leben kann. Ambulante Pflege war damals gerade im Kommen und sollte von außen zugebucht werden können.

Die Realisierung war nicht einfach. "Wir haben so viele Architekten und Gesellschaften gefragt", erinnert sich Irmgard Winter, "die fanden die Idee alle toll, aber keiner wollte es machen." Bis dann 1997 die HGW kam, die Herner Gesellschaft für Wohnungsbau mbH - das ist in Herne das kommunale Wohnungsunternehmen. Der damalige Geschäftsführer, Franz-Josef Boening, fand Gefallen an der Sache und offerierte mit dem Juri-Gerus-Weg 7 einen Bauplatz, der den Vorstellungen der Initiatoren nahezu 100-prozentig entsprach.

"Alles, was wir brauchten, war in der Nähe, die Bushaltestelle vor der Tür, man ist ja nicht mehr so mobil im Alter - wir habe sofort zugesagt, obwohl nur 14 Wohneinheiten gebaut werden sollten. Wir hatten ursprünglich an 20 bis 24 gedacht."
Als die Realisierung des erträumten Projektes näher rückte, gründeten die "Träumer" den Verein "WIR". 18 Gründungsmitglieder waren es 1996 - heute sind es über 200. Das Konzept sah vor, dass die Bewohner des geplanten Projekts sich gut kennen sollten, damit die nachbarschaftliche Hilfe auch funktioniert.

Die Rechnung ist aufgegangen. Als einzige Gesellschaft war die HWG bereit, sich darauf einzulassen, dass allein der Verein WIR die Wohnungen vergibt und die Belegung an die Mitgliedschaft im Verein gekoppelt ist. Teuer ist das übrigens nicht. Der Vereinsbeitrag liegt bei 3 € im Monat und die Wohnungen sind fast alle Sozialwohnungen und dennoch mit Fußbodenheizung, Balkon und Schiebetüren ausgestattet.

Noch wichtiger als die Wohnungen ist den Unruheständlern aber der Gemeinschaftsraum, der sich im Keller befindet. 50 qm groß und mit Küche und Toilette ausgestattet bietet er Platz für alles, was die Bewohner gemeinsam veranstalten wollen: Versammlungen, Spielenachmittage, Kaffetrinken, Inforveranstaltungen, Geburtstagsfeiern, Pizza-Essen; auch für Privates kann man den Raum anmieten.
Und die Nachbarschaftshilfe funktioniert: Die Bewohner haben untereinander Schlüssel ausgetauscht, jeder weiß vom anderen, wer im Notfall zu benachrichtigen ist, man passt aufeinander auf, hilft, wenn jemand im Krankenhaus war, kauft füreinander ein.
Das Konzept wurde ein voller Erfolg. Der Zulauf zum Verein war so groß, dass inzwischen ein zweites Projekt realisiert wurde: Im Dezember 2005 wurde das Haus Bahnhofstraße Ecke Dornstraße mit 52 Wohneinheiten bezugsfertig. Bauträger war diesmal die Bauherrengesellschaft Brohn aus dem Münsterland, zu der Franz-Josef Boening den Kontakt hergestellt hatte. Wiederum sind die meisten Wohnungen Sozialwohnungen, aber acht sind im 2. Förderweg und acht auch freifinanziert. Der Gemeinschaftsraum, der auch hier natürlich nicht fehlen durfte, befindet sich im Pavillon im Hinterhof.

Die zahlreichen Freizeitaktivitäten wenden sich übrigens immer an alle Mitglieder des Vereins, nicht nur an die Bewohner der beiden Häuser. Viele sind extra deswegen Mitglied geworden. Aber sie sind nicht das Einzige besondere. "Wir praktizieren hier eine Selbstverwaltung, mit der wir im Vergleich zu anderen Anbietern altengerechter Wohnungen viel Geld sparen", mein Heinz-Jürgen Jendrian, 65, heute erster Vorsitzender des Vereins. "Dafür erwarten wir aber auch ein hohes Maß an Kontaktbereitschaft, Toleranz und Engagement von unseren Mitgliedern. Und das funktioniert auch. Alle Aufgaben werden verteilt und jeder bringt sich ein, so gut er kann."

Als die Realisierung des erträumten Projektes näher rückte, gründeten die "Träumer" den Verein "WIR". 18 Gründungsmitglieder waren es 1996 - heute sind es über 200. Das Konzept sah vor, dass die Bewohner des geplanten Projekts sich gut kennen sollten, damit die nachbarschaftliche Hilfe auch funktioniert.
Die Rechnung ist aufgegangen. Als einzige Gesellschaft war die HWG bereit, sich darauf einzulassen, dass allein der Verein WIR die Wohnungen vergibt und die Belegung an die Mitgliedschaft im Verein gekoppelt ist. Teuer ist das übrigens nicht. Der Vereinsbeitrag liegt bei 3 € im Monat und die Wohnungen sind fast alle Sozialwohnungen und dennoch mit Fußbodenheizung, Balkon und Schiebetüren ausgestattet.
Noch wichtiger als die Wohnungen ist den Unruheständlern aber der Gemeinschaftsraum, der sich im Keller befindet. 50 qm groß und mit Küche und Toilette ausgestattet bietet er Platz für alles, was die Bewohner gemeinsam veranstalten wollen: Versammlungen, Spielenachmittage, Kaffetrinken, Inforveranstaltungen, Geburtstagsfeiern, Pizza-Essen; auch für Privates kann man den Raum anmieten.

Und die Nachbarschaftshilfe funktioniert: Die Bewohner haben untereinander Schlüssel ausgetauscht, jeder weiß vom anderen, wer im Notfall zu benachrichtigen ist, man passt aufeinander auf, hilft, wenn jemand im Krankenhaus war, kauft füreinander ein.
Das Konzept wurde ein voller Erfolg. Der Zulauf zum Verein war so groß, dass inzwischen ein zweites Projekt realisiert wurde: Im Dezember 2005 wurde das Haus Bahnhofstraße Ecke Dornstraße mit 52 Wohneinheiten bezugsfertig. Bauträger war diesmal die Bauherrengesellschaft Brohn aus dem Münsterland, zu der Franz-Josef Boening den Kontakt hergestellt hatte. Wiederum sind die meisten Wohnungen Sozialwohnungen mit einer Miete von 4,50 € pro qm , acht davon im 2. Förderweg (höhere Einkommensgrenzen, weniger Fördermittel) für 5,50 €, und acht sind freifinanziert und kosten 6,50 € pro qm. Der Gemeinschaftsraum, der auch hier natürlich nicht fehlen durfte, befindet sich im Pavillon im Hinterhof.

Die zahlreichen Freizeitaktivitäten wenden sich übrigens immer an alle Mitglieder des Vereins, nicht nur an die Bewohner der beiden Häuser. Viele sind extra deswegen Mitglied geworden. Aber sie sind nicht das Einzige besondere. "Wir praktizieren hier eine Selbstverwaltung, mit der wir im Vergleich zu anderen Anbietern altengerechter Wohnungen viel Geld sparen", mein Heinz-Jürgen Jendrian, 65, heute erster Vorsitzender des Vereins. "Dafür erwarten wir aber auch ein hohes Maß an Kontaktbereitschaft, Toleranz und Engagement von unseren Mitgliedern. Und das funktioniert auch. Alle Aufgaben werden verteilt und jeder bringt sich ein, so gut er kann."

Der Verein ist übrigens kein reiner Seniorenclub: Das Mindestalter zum Bezug einer Wohnung liegt zwar bei 60 Jahren, das jüngste Vereinsmitglied aber ist 42.


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