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1. September 2009 (Ohne Kategorie)

Nerven bewahren bei Chaosverwaltungen

Finanzgesellschaften vergeben die Verwaltung ihrer Wohnungen in der Regel an externe Dienstleister. Wer seine Betriebskostenabrechnung von einer Großverwaltung erhält, braucht guten Nerven: Mahnungen, wechselnde Ansprechpartner, langes Warten auf Guthaben. Was müssen Mieter bei anonymen und häufig wechselnden Hausverwaltungen beachten?

Zum 1. Oktober 2008 wechselte für gut 5.000 Mieterhaushalte der Griffin Rhein Ruhr GmbH & Co. KG die Hausverwaltung. Es war bereits die vierte innerhalb von fünf Jahren. Und ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt, denn im letzten Quartal des Jahres trudeln regelmäßig die Betriebskostenabrechnungen des Vorjahreszeitraums ein. Aber die Eigentümerin, ein in Dänemark geführter Immobilienfonds, war unzufrieden mit der Curanis Wohnimmobilien im norddeutschen Munster und wechselte zu einer anderen Großverwaltung. Auch für 1.694 Mietparteien in Dortmund-Westerfilde, Hörde und Nette übernahm die Treureal Property Management mit Hauptsitz Mannheim die Hausverwaltung. Von einer geordneten Übergabe der Mieterakten konnte keine Rede sein. Die Widersprüche gegen die Heiz- und Nebenkostenabrechnung 2006 blieben weiterhin unbeantwortet, Die Abrechnung 2007 kam für ganze Siedlungen erst gar nicht an. Die Situation eskalierte, als die Treureal im März 2009 begann, Nachzahlungsforderungen aus 2006 und 2007 sowie erhöhte Abschlagszahlungen aus diesen Abrechnungen anzumahnen und schließlich im Mai massenhaft fristlose Kündigungen wegen hoher "Mietrückstände" auszusprechen. Rechtsanwalt Holger Gautzsch, Rechtsberater beim Mieterverein Dortmund konnte die Gemüter erst einmal beruhigen: "Mieter haben einen Anspruch auf eine ordnungsgemäße Betriebskostenabrechnung. Niemand muss bei begründetem Widerspruch Nachzahlungen leisten. Und erst recht nicht bei Abrechnungen, die nie oder nicht fristgerecht eingegangen sind. Sämtliche Abrechnungen für 2007, die nicht bis zum 31. Dezember 2008 dem Mieter zugegangen waren, sind zudem verfristet. Die gesetzliche Frist ist abgelaufen."

Mahnsperre
Um die angespannten Nerven zu beruhigen, setzte der Mieterverein Dortmund bei der Treureal eine Mahnsperre durch. Damit wurde schon im Heizkostenstreit mit der damaligen Viterra AG gute Erfahrungen gemacht. Weiterhin wurden feste Ansprechpartner für die Korrespondenz vereinbart. Jetzt brütet die Fondsverwaltung in Kopenhagen über der Forderung, alle Nachforderungen auszubuchen, sprich, darauf zu verzichten. Dem Vernehmen nach soll es um insgesamt 1 Mio. Euro gehen. Auf ordnungsgemäße Betriebskostenabrechnungen will der Mieterverein Dortmund für seine Mitglieder dennoch nicht verzichten. Holger Gautzsch: "Auch Mietern, die mit Guthaben rechnen können und deswegen die Abrechnung angefordert hatten, bekamen bisher weder eine Abrechnung zu sehen, noch einen Guthabensbetrag."

Tipps
Das Problem mit externen Großverwaltungen wird trotz der schlechten Ergebnisse – auch für die Wohnungseigentümer - nicht so schnell vorübergehen. Holger Gautzsch gibt darum einige Tipps, was Mieter bei häufig wechselnden Hausverwaltungen beachten müssen.

Korrespondenz mit der Hausverwaltung immer nachweisbar führen und mindestens drei Jahre aufbewahren. Oder gleich von einem Anwalt oder den Mieterverein führen lassen.
Bei Verwalterwechsel eine Kopie der so genannten Verwaltervollmacht aushändigen lassen. Darin steht, in wessen Namen die Hausverwaltung handelt und welche Befugnisse sie hat.

Nicht ungeprüft auf Zahlungsaufforderungen oder Mahnungen zahlen. Zahlungen können eine Anerkennung bedeuten und sind nur noch sehr schwer zurückzuholen.


>>> Rechtsberatung für Mieterinnen und Mieter
 

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