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6. Februar 2010 (Sonstige Unternehmen)

Geplatzte Geschäfte: IMW AG zieht sich aus NRW zurück

Siedlungen im Ruhrgebiet zum vierten Mal verkauft - Geplatzte Finanzierungen haben die Berliner IMW AG nun zu einem Komplettrückzug aus ihren Beteiligungen an Wohnungen in NRW gezwungen. Die Mehrheitsanteile an den sogenannten Valbonne-Fonds, die auch Arbeitersiedlungen im Ruhrgebiet kontrollieren, wurden an bislang unbekannte niederländische Investoren veräußert. Auch die Verwaltung über die betroffenen 1050 Wohnungen in NRW geht binnen vier Wochen von der IMW AG auf ein anderes Unternehmen über.

Für das östliche Ruhrgebiet ist vor allem der Verkauf der Beteiligung an dem Fonds "Valbonne Real Estate 9 B.V." von Bedeutung. Diese – zunächst niederländische- Briefkastenfirma erwarb 2006 etliche Wohngebäude in Dortmund, Herne, Bochum und Witten von der Arslan Gruppe. Arslan hatte sich die Wohngebäude – zumeist Arbeitersiedlungen - zuvor vor allem von der Veba (später Viterra) zusammengekauft. Die IMW AG erwarb dann im Jahr 2007 94,9 Prozent der Anteile an "Valbonne" und löste auch die Verwaltung durch Arslan ab.

Die Finanzierung dieses Kaufes folgte den kurz vor Zusammenbruch der Finanzblase üblichen abenteuerlichen Mustern und konnte den Ausbruch der Krise nicht überleben. Bereits 2008 musste die IMW AG für erste Bestandsgesellschaften Insolvenz anmelden, da sich die finanzierende Großbank unter Berufung auf Vertragsverstöße durch IMW weigerte, die vereinbarten Kredite voll auszuzahlen. 2008 verkaufte die IMW AG dann große Teile ihres Wohnungsbesitzes, den sie sich seit etwa 2005 aufgebaut hatte.

Die IMW AG selbst war erst 2003 von der Watermark CH AG von einer kleinen Aktiengesellschaft zu einem Wohnungsinvestor umgewandelt worden. Bei Watermark handelt es sich um eine Schweizer Zwischenholding für private Investment-Fonds mit Sitz in der Steueroase Jersey. Neben Watermark waren später auch Fonds mit Sitz auf den Virgin Islands sowie Schweizer Vermögensverwaltungen und die berühmt-berüchtigte Liechtensteiner Landesbank maßgeblich an der IMW AG beteiligt. Es ist also davon auszugehen, dass die IMW AG überwiegend der steuerumgehenden Anlage von Privatvermögen, sicher auch aus Deutschland, diente.

Die Leidtragenden der geplatzten Geschäfte sind die Mieter im Ruhrgebiet. In der Dortmunder "Fischsiedlung" wurde seit Jahrzehnten kaum etwas investiert. Nach Übergang auf die IMW AG erhofften sich die Mieter zunächst eine Verbesserung durch eine professionellere Verwaltung. Aber nach dem Zusammenbruch des Geschäftsmodells der IMW folgten schnell neue Sparprogramme. Es ist leider nicht davon auszugehen, dass sich daran nach dem abermaligen Verkauf der Wohnungen schnell etwas ändern wird.


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