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20. September 2010 (Sonstige Unternehmen)

Renovierungsobjekte ohne Perspektive

"Hier entsteht ein schönes Stück Dortmund!" Unter diesem Werbeslogan werden die 49 Häuser der Alten Kolonie Westhusen im Dortmunder Stadtteil Westerfilde vermarktet. Die Mieterinnen und Mieter passen nicht in das Verkaufskonzept für den "Wohnpark Westhusen" und sollen ausziehen.

Es begann im Dezember 1998: Die damalige VEBA Wohnen (später Viterra und Deutsche Annington) verkaufte die Alte Kolonie Westhusen an ein Dortmunder Familienunternehmen, die Waldburg GbR. Im Jahr 2003 folgte ein Weiterverkauf an die heutige Wohnwelt und Wohnbau GmbH mit Sitz in Berlin, die in Westerfilde die ersten Jahre unter den zwei Namen Alpha sowie Westerfilde GbR firmierte.

Der Geschäftsführer der Wohnwelt und Wohnbau GmbH, Udo Krollmann, ist kein unbeschriebenes Blatt. "Halbwelt zwischen Rotlichtmilieu und Immobilienfilz - und einem dubiosen Finanzinvestor", so beschrieb am 14.08.2009 DER SPIEGEL das Geschäftsumfeld Krollmanns in einem Artikel über dessen Geschäftspartner Friedhelm Sodenkamp, der im November 2008 in Berlin ermordet wurde. Die SPIEGEL-Story liest sich wie ein Krimi und ist im Internet zu finden. Bereits in der Vergangenheit fiel Krollmanns Immobiliengesellschaft in der Alten Kolonie Westhusen durch mangelnde Instandhaltungen und fehlerhafte Betriebskostenabrechnungen auf. Die Gangart hat sich verschärft, seit die Häuser einzeln zum Kauf angeboten werden. Inkasso und Entmietung sind die Geschäftspraktiken, mit denen sich die aktuellen Aktivitäten beschreiben lassen. Über den vor Ort eingesetzten Hausverwalter sollen durch "Hausbesuche" angeblich rückständige Mieten eingetrieben und Druck auf die Mieter ausgeübt werden, aus den Wohnungen im Erdgeschoss auszuziehen. Denn die Vermarktung zielt auf Käufer mit handwerklichem Geschick , die in diese zusammengelegten Wohnungen mit späterer Gartennutzung einziehen sollen. In sechs Fällen wurde Mietern in Briefen aus der Berliner Unternehmenszentrale eine Aufhebung ihres Mietverhältnisses schriftlich "bestätigt". Angeblich hätten die betreffenden Mieterinnen und Mieter gegenüber dem Hausverwalter eine Auflösung des Mietvertrages erfragt. Eine glatte Lüge, aber nicht die einzige Entmietungsmaßnahme Krollmanns.

Zahlreiche Mieterinnen und Mieter sind Bezieher von Arbeitslosengeld II oder sozialer Grundsicherung. Miete und Betriebskosten werden durch die ARGE Dortmund übernommen. Den Mietern wurde durch Krollmann signalisiert, die ARGE würde den notwendigen Umzug finanzieren. Gleichzeitig beantragte dieser die Übernahme der Umzugskosten bei der ARGE Dortmund und verwies auf angeblich vorliegende Kündigungen der Mietverhältnisse, die in Wahrheit gar nicht vorlagen. Ein dreister Versuch, sich auf Kosten der Öffentlichen Hand seiner Mieter zu entledigen.

Unter den betroffenen Mietern sind auch Angehörige der Sinti und Roma, die im Stadtteil unter rassistischen Übergriffen aus der Bevölkerung leiden. So wurden ein direkt am Haus stehender Abfallcontainer in Brand gesteckt und Fenster mit Steinen eingeworfen. Die rassistische Stimmung wurde von Krollmanns Hausverwalter weiter geschürt, indem er in anderen Wohnhäusern mit dem Einzug der "Zigeuner" drohte, wenn die dortigen Mieter nicht freiwillig ihre Wohnungen kündigten. Krollmann und sein vor Ort tätiger Hausverwalter spielen die Bewohnerinnen und Bewohner gegeneinander aus, um eine abgewirtschaftete und perspektivlose Wohnsiedlung doch noch vermarkten zu können.

Der Mieterverein Dortmund arbeitet daher in Kontakt mit der ARGE und dem Sozialamt der Stadt daran, die Rechte der Mieter in der Alten Kolonie Westhusen zu stärken und die Entmietungsmaßnahmen Krollmanns ins Leere laufen zu lassen. Die Eskalation in den vergangenen Monaten hat den Mieterverein jedoch dazu bewogen, die schwierige Situation bekannt zu machen und den öffentlichen Druck zu erhöhen.

60 Haushalte vertritt der Mieterverein in der Siedlung. An den 14-täglichen Sprechzeiten des Mieterbeirats Westerfilde in der NOAH-Kirchengemeinde nimmt auch regelmäßig ein Jurist des Mietervereins teil. (ts)


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