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6. Dezember 2011 (Vivawest)

Fusion Evonik & THS: Ein neuer Stern am Immobilienhimmel?

Die Leinwand ist dunkel, und aus dem Off hört man Stimmen sagen, was so gut daran ist, für dieses Unternehmen zu arbeiten. Schnitt. Zu gewaltiger Musik schwebt von links der Name der Stadt Essen ein, Firmensitz von Evonik Wohnen. Von rechts kommt Gelsenkirchen, wo die THS zu Hause ist. Beide drehen sich umeinander, scheinen miteinander zu tanzen.

Weitere Städtenamen kommen hinzu, Lünen, Herne, Bochum, Dortmund, Aachen, immer mehr, 79 insgesamt, so viele, wie die beiden Unternehmen zusammen Standorte haben. Die Namen wirbeln eine Weile umeinander herum und bilden schließlich ein Herz, das schlägt. Schnitt. Der neue Name des aus Evonik und THS entstehenden Unternehmens leuchtet auf: VIVAWEST. Wohnen, wo das Herz schlägt. Minutenlanger Applaus folgt.

Ein bisschen war die Show ja schon gestohlen, als sich am Nachmittag des 2. Dezember gut 1500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der beiden Unternehmen zur Belegschaftsversammlung in der "Kraftzentrale" des Landschaftsparks Nord in Duisburg trafen. Denn die WAZ hatte den Namen, den das neue Unternehmen tragen wird, am Morgen bereits veröffentlicht. Journalismus als Spielverderber.

Dennoch war die Inszenierung aufwändig. In der riesigen Halle waren Tribünen für die Anwesenden aufgebaut, die von weißen Vorhängen umgeben waren. Auf zwei Leinwänden wurde der neue Werbefilm gezeigt. Dann weißt eine Stimme auf die Fusion hin, die zum 1. Januar wirksam wird. Doch: "Bereits heute geht der Vorhang auf!" Und plötzlich war der weiße Vorhang hinter der Bühne weg, und dahinter waren noch einmal genauso viele voll besetzte Tribünen. Effektvoll gemacht: Das Beste aus zwei Welten, eines der zahlreichen Mottos des Tages.

Die folgenden zwei Stunden enthielten eine Menge Reden. Und eine beeindruckende Tanz-Show. Robert Schmitt (Vorsitzender der Geschäftsführung), Personalvorstand Thomas Wessel, Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (die Vorsitzende des Kuratoriums der RAG-Stiftung ist), Klaus Engel (Vorstandsvorsitzender der Evonik Industries) und IGBCE-Chef Michael Vassiliadis hielten Grußworte, die jedoch wenig Neues brachten. Denn die Einzelheiten zur Fusion sind seit langem bekannt.

VIVAWEST wird 130.000 Wohnungen bewirtschaften und damit das größte Immobilienunternehmen in NRW und das drittgrößte in Deutschland sein. Vier annähernd gleich stark beteiligte Eigentümer tragen die Firma: Evonik Industries, derzeit noch Allein-Eigentümerin von Evonik Wohnen; der Evonik Pensions-Treuhand Fond; die IGBCE, der jetzt die Hälfte der THS gehört; und die RAG-Stiftung, die bisher 75 % der Anteile an Evonik Industries hält.

Evonik Industries allerdings wird sich – auch das ist bekannt – ab 2013 nach und nach zurückziehen. "Als Chemieunternehmen sind wir langfristig nicht der richtige Partner für Sie, weil wir einen anderen Weg am Kapitalmarkt gehen müssen", sagte Klaus Engel den Beschäftigten. "Ihr Weg führt nicht an die Börse und nicht nach Übersee, sondern hier in diese Region, mit stabilen Eigentümern." Engel versprach noch einmal, dass ein langfristig engagierter Gesellschafter gesucht werde. "Wir sind nicht in Eile und nicht unter Zugzwang!"

1800 Beschäftigte in fünf Dienstleistungsgesellschaften mit 14 Kundencentern und zahlreichen Servicebüros in den Quartieren sowie eine neue, zentrale Kundenberatung am künftigen gemeinsamen Firmensitz im Gelsenkirchener Nordstern-Park sollen sich um die 300.000 Menschen kümmern, die in den Wohnungen leben. Ein Call-Center werde das ganz sicher nicht werden. Denn, so weiß Klaus Engel, "viele Mieter kontaktieren uns nur, wenn sie Probleme haben, und sie messen uns an der Schnelligkeit der Problemlösung."

Da will VIVAWEST ganz vorne sein – und sieht in der Nähe zum Mieter und in einer nachhaltigen Bewirtschaftung einen Wettbewerbsvorteil. Robert Schmitt erinnerte daran, wer noch vor 20 Jahren die großen Wohnungsunternehmen in NRW waren: VEBA Wohnen, Thyssen-Krupp-Immobilien, Gagfah und LEG. Heute heißt die Hälfte von ihnen anders und alle vier gehören Real-Estate-Trusts oder REITs – also ausschließlich renditeorientierten Anlegern.

VIVAWEST soll in NRW verwurzelt bleiben und einen "dritten Weg" gehen. Wenn alle Versprechen gehalten werden, die an diesem Freitagnachmittag gegeben wurden, könnte tatsächlich das Korrektiv zu den "Heuschrecken" entstehen, dass der Wohnungsmarkt an Rhein und Ruhr so dringend braucht.


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