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26. März 2012 (Weitere Initiativen und Bündnisse, Vonovia)

Flöz Dickebank: Mieter wehren sich gegen Verkauf an Häusserbau

Die Nachricht schlug ein wie ein Blitz: Kurzfristig will der Wohnungskonzern Deutsche Annington die berühmte Gelsenkirchener Bergarbeitersiedlung "Flöz Dickebank" an die berüchtigte Bochumer Umwandlungsfirma "Häusserbau" verkaufen. Die betroffenen Mieter und Unterstützer planen Proteste. Denn sie befürchten Verdrängungen und eine Zerstörung der Nachbarschaft. Auch die Stadt Gelsenkirchen würde die unter Denkmalschutz stehende Siedlung und die günstigen Mietwohnungen gerne erhalten. Aber ein alternativer Käufer ist schwer zu finden.

Die Bewohner der ehemaligen Bergarbeiterhäuser verfügen nicht über das Kapital, die Siedlung gemeinschaftlich zu erwerben. Das Projekt einer Bewohnergenossenschaft wurde fünf Jahre lang verfolgt, scheiterte aber. Die Stadt Gelsenkirchen ist finanziell ausgeblutet. Die Kommunalaufsicht verbietet ihr, die aus den 1860er Jahren stammende Siedlung zu einem fairen Preis von dem angeschlagenen Finanzinvestor Deutsche Annington zu erwerben und dann sozialverträglich zu sanieren. Die kommunale Wohnungsgesellschaft GGW prüft auf Wunsch der Stadt zwar Möglichkeiten einer Übernahme, scheint wegen der Kosten aber auch nicht gerade mit Begeisterung an die Planung gehen.

Mit der Drohung, die Siedlung nun ohne Not ausgerechnet an den "Siedlungszerleger" Häusserbau zu verkaufen, setzt die Annington die Mieter und die Stadt massiv unter Druck. Denn die Bochumer Häusser-Bau kauft Siedlungen nicht, um sie langfristig zu bewirtschaften, sondern um die Wohnungen so schnell wie möglich weiter zu verkaufen.

Das einzige Zugeständnis, das innerhalb der letzten Wochen von der Annington erreicht werden konnte: drei Monate Zeit für einen anderen Investor, um in den bereits mit Häusserbau ausgehandelten Kaufvertrag einzusteigen.

Doch das ist schwierig. Ein Weiterverkäufer, der wie die Firma Häusserbau in der Regel nichts in die durchgehandelten Wohnungen investiert, kann einen wesentlich höheren Preis zahlen als ein kommunales Wohnungsunternehmen, das die Häuser als Mietwohnungen erhalten und sanieren soll. Da die notwendige Modernisierung nicht zu Mieten führen darf, die für die jetzigen Bewohner zu hoch sind, müssen viele öffentlichen Fördermittel beantragt werden. Eine intelligente Planung ist erforderlich, um zum Beispiel die Modernisierungen zu berücksichtigen, die die Mieter schon selbst vorgenommen haben. Das alles kostet Zeit.

Um diese Zeit zu gewinnen, wäre es unbedingt erforderlich, dass die Annington die aktuellen Verkaufspläne ganz einstellt bis es eine tragfähige und finanzierbare Lösung zur Erhalt der Wohnungen gibt.


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