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25. September 2005 (Weitere Initiativen und Bündnisse)

Globalisierung von unten: Mieterforum startet Diskussionsreihe

Den Einstieg in die Reihe „Internationaler Habitat Diskurs“ bot ein Vortrag von Klaus Teschner im Bahnhof Langendreer. Der Architekt Teschner ist beim katholischen Hilfswerk Misereor zuständig für die Zusammenarbeit mit Basisorganisationen in Städten Lateinamerikas.
In Südamerika stehen sich grob gesagt zwei Modelle der Wohnungspolitik gegenüber: Das vorherrschende neo-liberale Modell – am klarsten in Chile – hat die Versorgung mit Wohnraum komplett privatisiert. Wo es wirtschaftlich möglich ist, werden Kredite an die private Bauwirtschaft vergeben, die massenhaft Schlichunterkünfte mit zweifelhafter sozialer Qualität errichtet. Zugleich werden in Selbsthilfe errichtete Wohnsiedlungen – nach wie vor der Standard der Armen in zahlreichen großen Städten – aufgelöst. Es kommt auch wieder vermehrt zu Zwangsräumungen.

Gegen dieses Modell richten sich gesellschaftliche Proteste zur Verteidigung der Alternative: Der Kontrolle der Stadtentwicklung durch die Bewohner selbst, der „Sozialen Produktion des Wohnens“. In einigen Ländern wurden Teile dieser Strategie von der Regierung übernommen, z.B. in Brasilien und in Venezuela, wo inzwischen die Öleinnahmen an der Basis ankommen.
In Lateinamerika hat sich auch eine Initiative entwickelt, die über das Recht auf die pure Wohnung hinaus die Mitbestimmung der Stadtbewohner und die Überwindung der sozialen Ausgrenzung als internationalen Menschenrechte durchsetzen will: Die sogenannte „Charter des Rechts auf die Stadt“. Internationale Organisationen wie die Habitat International Coalition haben dazu aufgerufen, am Welt-Habitat-Tag, dem 3. Oktober, parallele Aktionen für die Bewohnerrechte durchzuführen. In Bochum soll aus diesem Anlass ein Workshop stattfinden. An Beispielen aus dem Ruhrgebiet, z.B. Hartz IV und die Massenprivatisierung von Wohnraum, wollen wir überprüfen, inwieweit die sozialen Grund- und Menschenrechte betroffen sind und wie wir den Vorschlag einer Welt-Charter in Deutschland nutzen können.
Am 18. Oktober wird der Istanbuler Stadtforsche Orhan Esen über die Stadtentwicklung in seiner Heimatstadt berichten. Die Metropole am Bosporus wurde durch die massenhafte Zuwanderung seit den 50er Jahren praktisch neu gegründet. Der größte Teil Istanbuls wurde von den Zuwanderern „wild“ angeeignet und mit Häusern in Selbsthilfe bebaut. Allerdings war diese Aneignung von Anfang an Kalkül der Politik, was jetzt massive Probleme beschert.
Im November ist eine kleine internationale Tagung zur Globalisierung des Immobilien-Kapitals und möglichen Reaktionen der Mieterorganisationen geplant.
Die Reihe „Internationaler Habitat Diskurs“ wird in Zusammenarbeit mit dem Verein Habitat Netz e.V. organisiert und von der Bochumer Agenda 21 gefördert.

Mo., 3. Okt, 15 - 18 Uhr, Soziales Zentrum Bochum, Rottstr.31: „Die neoliberale Stadt und die sozialen Grundrechte der BewohnerInnen“
Di., 18. Oktober, 19:00 Uhr, Kulturzentrum Bhf. Langendreer (Raum 6) : Self-Service City: Istanbul, Vortrag mit Orhan Esen


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