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25. Mai 2020 (Aus den Städten)

Baustelle Dortmund: Geförderter Wohnungsbau

In Dortmund fehlen weiter Tausende Wohnungen. Gleichzeitig werden an dutzenden Stellen gerade Gebäude hochgezogen, in denen schon bald Menschen wohnen sollen. Wir werfen einen Blick auf die Neubauprojekte: Wer baut da, und für wen eigentlich? Wie sieht es mit Barrierefreiheit und Mieten aus? Und wie innovativ sind die geplanten Wohnkonzepte?

Öffentlich geförderten Neubauprojekte, die günstigen Wohnraum für Menschen mit niedrigem Einkommen bieten, sind äußerst rar geworden. Die Stadt versucht gegenzusteuern und hat in den vergangenen Jahren fast 110 Millionen Euro an Wohnraumfördermitteln akquiriert. In vielen Stadtteilen wird deshalb auch in diesem Jahr preisgebunden gebaut.

Am Teigelbrand, Schüren

Auf dem ehemaligen Gelände der Gurkenfabrik Hengstenberg in Schüren hat der Spar- und Bauverein zwei viergeschossige Gebäude mit insgesamt 64 Wohnungen errichtet, 53 davon öffentlich gefördert. Die Wohnungen sind zwischen 57 und 103 Quadratmeter groß, barrierearm und haben alle einen Balkon oder eine Terrasse. In den drei unteren Etagen befinden sich die öffentlich geförderten Wohnungen. Die Mietpreisbindung liegt bei 5,25 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter. Die Kaltmiete in den ebenfalls preisgebundenen Wohnungen im Staffelgeschoss liegt bei 5,52 Euro/Quadratmeter.

Insgesamt hat der Spar- & Bauverein rund 14 Millionen Euro in die Wohnhäuser investiert. Zum Energiekonzept gehören eine Gas-Brennwert-Anlage, eine Wasser-Wärmepumpe und eine Photovoltaik-Anlage. Den Spielplatz im Innenhof dürfen auch die Kinder der Nachbarschaft nutzen.

Was: 64 Wohnungen in zwei Gebäuden, davon 53 gefördert
Bauherr: Spar- & Bauverein
Zielgruppen: Familien und kleine Haushalte
Miete: 5,25€/qm bzw. 5,52€/qm
Fertigstellung: Anfang des Jahres

Kommunaler Wohnungsbau

Auch die Stadt baut. In Mengede sind bereits Ende 2018 rund 60 Wohnungen entstanden, demnächst kommen etwa 120 Wohnungen in Lütgendortmund und Huckarde dazu.

In der Holtestraße, an der Grenze zu Bochum-Werne, hat die Stadt 92 Wohnungen für Menschen mit Wohnberechtigungsschein und eine Kindertagesstätte gebaut. Die Wohnungen, je zu einem Drittel 35, 55 und 75 Quadratmeter groß, stehen zu 60 Prozent Geflüchteten mit Wohnberechtigungsschein zur Verfügung. Die steigende Fluchtzuwanderung hatte vor einigen Jahren der Stadt den Anstoß gegeben, wieder selbst als Bauherrin aufzutreten. Damals hatten Land und Bund die Schaffung von Wohnraum für Flüchtlinge stark gefördert. Das Programm ging jedoch mit der Zeit in einer allgemeineren Wohnraumförderung auf, weil die Politik erkannt hatte, dass Geflüchtete längst nicht mehr die einzige Bevölkerungsgruppe waren, die sich zunehmend schwerer mit bezahlbarem Wohnraum versorgen konnten. Die Stadt wirbt seitdem bei Investoren intensiv für den öffentlich geförderten Wohnungsbau.

Ursprünglich sollten die 92 Wohnungen in Lütgendortmund schon Ende 2017 fertig sein. Fachkräftemangel in den Baugewerken haben laut der Stadt die Fertigstellung immer weiter verzögert. Nun soll die Vermietung im Juni beginnen. DOGEWO21 wird Betreiberin des Wohnkomplexes sein.

In Huckarde entsteht das dritte kommunale Projekt: In der Fuchteystraße, in der Nähe der Kokerei Hansa, entstehen, in Kooperation mit der Dortmunder Stadtentwicklungsgesellschaft, 24 öffentlich geförderte Wohnungen mit zwei, drei und vier Zimmern. Auch das Huckarder Projekt sollte ursprünglich bereits Ende 2018 fertig sein, verzögerte sich jedoch, ebenfalls. Nun ist die Fertigstellung für den Sommer dieses Jahres vorgesehen.

Zu diesen drei Bauvorhaben ist seitdem kein weiteres hinzugekommen. Für 2020 ist nichts geplant – entgegen der Ankündigung von Planungsdezernent Ludger Wilde, als Stadt erneut in den Wohnungsbau einsteigen zu wollen.

Was: 92 Wohnungen in der Holtestraße, Lütgendortmund
24 Wohnungen in der Fuchteystraße, Huckarde
Zielgruppen: Familien, Ein- und Zwei-Personen-Haushalte
Miete: 5,25€/qm

Am Grünen Bogen, Mengede

In Mengede sind in den vergangenen Jahren viele neue Wohnungen entstanden, erst im Neubaugebiet „Im Erdbeerfeld“, nun auch eine Straße weiter, am „Grünen Bogen“. Dort sind durch einen Bochumer Projektentwickler neun Gebäude mit insgesamt 117 Wohnungen entstanden, von denen 99 öffentich gefördert sind. Jedes Haus hat ein Staffelgeschoss mit freifinanzierten Wohnungen.

Den Löwenanteil der geförderten Wohnungen machen solche mit ein und zwei Zimmern aus (90), außerdem finden auch Familien mit mehreren Kindern in den bis zu 108 Quadratmeter großen Wohnungen Platz. Alle Wohnungen sind barrierefrei und über einen Aufzug zu erreichen. Im vergangenen Oktober hat die LEG die Wohnungen erworben. Die letzten Häuser sind Anfang des Jahres fertiggestellt worden. Die Kaltmiete beträgt in den preisgebundenen Wohnungen zwischen 5,25 und 5,55 Euro pro Quadratmeter, in den freifinanzierten 8,50 Euro.

Was: 9 Gebäude mit 117 Wohnungen, davon 99 öffentlich gefördert
Zielgruppen: Ein- und Zweipersonen-Haushalte, Mehrkindfamilien, Ältere
Miete: 5,25€ bis 5,55€

Fazit

Dortmund bemüht sich sehr, Investoren für öffentlich geförderten Wohnungsbau zu begeistern und hat allein 2019 29 Millionen Euro an Landesfördermitteln für preisgünstige Wohnungen in Bauprojekte in der Stadt verteilt. Eine wachsende Nachfrage verspricht sich die Verwaltung vom Aufrücken in die Mietenstufe 4: Das soll ein Anreiz für Vermieter sein, die oft klagen, dass sie immer weiter steigende Baukosten mit den niedrigen Mieten im sogenannten sozialen Wohnungsbau nicht auffangen können. Es zeigt sich aber auch: Die Anstrengungen decken bei Weitem nicht den Bedarf. Hier wäre die Stadt noch stärker gefordert, auf eigenen Grundstücken kommunalen Wohnungsbau zu betreiben. (age)


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