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9. Dezember 2010 (Weitere Initiativen und Bündnisse)

Die Arbeit der Mieterinitiativen

Der Mensch hinter dem Ehrenamt - Die ehrenamtlichen Sprecher und Vorsitzenden von Mietervereinen und Mieterbeiräten sind durch ihre Arbeit vielfach Experten. Sei es im Mietrecht, bei Schimmelbildung oder Nebenkostenabrechnungen. Ihre Arbeit ist oft ein Vollzeitjob.

Sie „kämpfen an vorderster Front“ und tragen Verantwortung. Ohne dafür bezahlt zu werden. Im Gegenteil: Nicht selten tragen sie die Kosten für Telefon, Porto und Benzin sogar aus der eigenen Tasche.

Monika Hohmann ist 59 und Sprecherin des Mieterbeirats Westerfilde. Seit zwei Jahren ist sie die Stimme von mehr als 1.000 Mietern, die sich auf sechs verschiedene Siedlungen verteilen. Und sie ist im Stress. In der vergangenen Woche hat sie bereits einen Fernsehbeitrag gedreht, Interviews gegeben und sich mit vielen Menschen im Stadtteil unterhalten. Aktuell sind es vor allem die Vorkommnisse in der Alten Kolonie West-husen, die sie auf Trab halten. „Und heute Abend geht es wieder auf eine Mieterversammlung“, beschreibt sie etwas abgekämpft ihren weiteren Tagesablauf. „Mein Mann sagt bereits, dass ich jetzt mehr arbeite als zu den Zeiten, in denen ich noch berufstätig war. Eigentlich wollte ich meinen Job als Sprecherin aufgeben. Aber als ich auf einer Versammlung fragte, wer ihn übernehmen wolle, herrschte nur betretenes Schweigen. Jetzt mache ich halt weiter.“

Expertenwissen
Siegfried Klewer ist seit vielen Jahren für die Rechte der Mieter in Dortmund Kley im Einsatz. Um das Interview nicht zu stören, stellt der 71-Jährige sein Handy aus. Im Gegensatz zu Monika Hohmann kann er auf
eine gewachsene Vereinsstruktur zurückgreifen. „Am 5.Juli 1982 haben wir den Mieterverein Echeloh e.V. gegründet und seit dem Tag bin ich 1. Vorsitzender. Damals hatten wir über 450 Mitglieder, jetzt sind es immerhin noch 380. Aber die Arbeit verteilt sich auf den gesamten Vereinsvorstand. Trotzdem sind es im Schnitt immer noch ein paar Stunden Arbeit am Tag.“ In den vergangenen fast 30 Jahren ist er zu einem Experten geworden. Er kennt die Tricks, wie sich Heizkosten zusammensetzen, wie Heizkostenverteiler („Doprimos“) angebracht und programmiert werden müssen. Oft genug besser als durch die Hausverwaltung beauftragte Handwerker.

Das enorme Fachwissen und die langjährige Tätigkeit der Ehrenämtler sind für Helmut Lierhaus, hauptberuflicher Mitarbeiter des Mietervereins Dortmund, deren große Stärke. Während sich in anderen Städten verschiedenste Mietervereine konkurrierend gegenüberstehen und letztendlich auch um Mitglieder kämpfen, geht man in Dortmund aufeinander zu. „Wir kooperieren sehr gerne mit Mieter-initiativen. Sie sind direkt vor Ort tätig, planen Infoveranstaltungen, Protestaktionen und aktivieren die Mieter. Die Ehrenamtlichen sind ein wichtiger Baustein in der wohnungspolitischen Arbeit.“ Er gibt ein Beispiel: „Die Vermieter wechseln durch Weiterverkäufe laufend. Jede neu beauftragte Hausverwaltung muss sich wieder von vorn in die Gegebenheiten der jeweiligen Siedlungen einarbeiten. Das erhöht natürlich den Arbeitsaufwand der Mieterinitiativen, ist aber auch ihr großer Vorteil.“ Helmut Lierhaus kennt die Problemlagen und weiß, wie kräftezehrend diese Arbeit ist, schließlich steht er seit mehr als 20 Jahren in einem ganz engen Kontakt zu den verschiedenen Beiräten und Vereinen. „Die Vertreter der Initiativen sind vor Ort erste Ansprechpartner. Diese scheinbare ständige Verfügbarkeit ist eine enorme Belastung.“

Arbeit
Monika Hohmann kann dies bestätigen. „Immer mehr Menschen haben so eine Bedienungsmentalität. Ich werde als Dienstleisterin gesehen. Aber wenn ich mal nach Unterstützung frage, bekomme ich nicht genügend Resonanz. Und wenn es ums Geld geht, haben die Menschen sowieso einen Igel in der Tasche. Für unsere vergangene Protestaktion habe ich gesammelt. Ganze 55 € und 6 Cent habe ich erhalten. Allein die Farben haben über 25 € gekostet.“ Für Klewer ist es ein Symptom der heutigen Zeit. „Solidarität gibt es kaum noch. Viele wollen die Leistungen der Mieterinitiativen in Anspruch nehmen, aber selbst engagieren will sich niemand. Keine Zeit, kein Interesse. Das Durchschnittsalter unseres Vereinsvorstands ist weit über 60. Und wir sind uns sicher, dass der Verein früher oder später aufgelöst werden muss, weil sich niemand mehr finden wird, der die Arbeit machen will.“

Kraft und einen Ausgleich für ihre Arbeit holen sich die beiden in ihrer Freizeit. „Ich bin täglich mit meinem Hund draußen. Mindestens zwei Stunden. Die frische Luft hilft einem, den Kopf freizubekommen“, sagt Monika Hohmann. Auch der 71-jährige Klewer hält sich mit Sport und Bewegung an der Luft fit für seinen Job. „Ich bin viel mit dem Rad unterwegs. Interessiere mich für alles, was so in der Stadt passiert. Emscherumbau, Phoenixsee, andere Bauvorhaben. Aber auch längere Touren. Von Cuxhaven nach Prag. Oder vom Bodensee nach Rotterdam.“

Wünsche
Ihre Antworten auf die Frage, was sie machten, wenn jeder von ihnen einen Wunsch frei hätte, zeigen dann aber wieder, wie sehr es Hohmann und Klewer um die Sache geht. Egal, wie viel Zeit sie dafür investieren müssen. „Ich würde mir wünschen, dass Vermieter und Mieter eine ehrliche Partnerschaft eingehen. Helmut Lierhaus, der Mieterverein und die Beiräte wären überflüssig, wenn wir uns alle etwas mehr auf unsere christlichen Werte besinnen würden“, sagt Klewer. Monika Hohmann nickt zustimmend und ergänzt: „Und etwas mehr Solidarität untereinander, eine weniger egoistische Gesellschaft. Statt dessen versuchen, miteinander etwas zu erreichen. Das wäre mein Wunsch.“ Dass Hohmann und Klewer in ihren Stadtteilen schon unglaublich viel für die Mieter geleistet haben und sich nicht scheuen, auch großen Wohnungsbaugesellschaften bei Missständen auf die Füße zu treten, geht fast ein wenig unter. Trotz Stress, Ärger und Kosten: Hinschmeißen können die beiden ihre Arbeit aber auch nicht. „Würde ja sonst keiner machen“, sagt Klewer. Monika Hohmann pflichtet ihm bei: „Ich habe mich schon immer engagiert und war ehrenamtlich tätig. So ganz ohne … da würde mir vielleicht auch etwas fehlen.“ Und energisch ergänzt sie: „Aber etwas mehr Unterstützung und Anerkennung: das wäre toll.“ (mik/ra)

 


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