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12. April 2011 (Vivawest)

Appell an das Kuratorium der RAG-Stiftung: Wohnungen gehören nicht an die Börse!

Am heutigen 12. April tagte das Kuratorium der RAG-Stiftung, um unter anderem über einen kurzfristigen Börsengang von Evonik Industries zu beraten. Mieterforum Ruhr appellierte aus diesem Anlass an die Mitglieder des Kuratoriums, keinen Börsengang zu beschließen, bevor nicht eine nachhaltige Lösung für die Immobilien gefunden wurde.

In dem Appell heißt es wörtlich:

"Sehr geehrte Damen und Herren,
wie wir der gestrigen und heutigen Presse entnehmen, könnten Sie bereits heute darüber entscheiden, einen beschleunigten Börsengang des Evonik-Konzerns zuzulassen. Davon betroffen wären neben der Spezialchemie und DEGUSSA auch die Beteiligungen an den Wohnungsunternehmen Evonik Immobilien GmbH und die THS Wohnen GmbH mit zusammen über 130.000 Mietwohnungen.

Der Börsengang mit den Wohnungsunternehmen würde die Wohnungen in jedem Fall verstärkt Rendite- und Shareholder-Value-Interessen unterwerfen. Es ist außerdem zu befürchten, dass wesentliche Anteile an den (fusionierten) Wohnungsunternehmen unter dem Druck der Anteilseigner an Finanzinvestoren veräußert werden.

Sowohl die Erfahrungen mit Vermietern, die an der Börse notiert sind, als auch mit Wohnungsbeteiligungen von Private Equity-Fonds sind verheerend. Mietwohnungen dürfen nicht unter die Kontrolle der globalisierten Finanz- und Kapitalmärkte gelangen.

Wir appellieren deshalb an Sie, die Fehler des vergangen Jahrzehntes nicht fortzusetzen! Bewahren Sie die Wohnungen und MieterInnen von Evonik und THS vor einem Schicksal wie bei GAGFAH, LEG, Annington & Co!
Noch befinden sich diese vielen Wohnungen mit städtebaulich, sozial und kulturell sehr bedeutenden Beständen und Siedlungen unter der mehrheitlichen Kontrolle einer öffentlichrechtlichen Stiftung und – im Falle der THS – der IG BCE.

Wir appellieren an Sie, die politische Kontrolle über die Stiftung nicht aufzugeben, sondern die Wohnungen langfristig mit öffentlicher Mehrheitsbeteiligung in öffentlichem Interesse zu bewirtschaften. Dabei entstehen durch die verlässlichen Mietzahlungen der RAG-Stiftung kontinuierlich sichere Mittelzuflüsse zur Bewältigung der Folgekosten des Bergbaus, ohne dass dafür ein anderer Teil des Steinkohleerbes und die Arbeiterwohnungskultur dem Markt geopfert werden muss.

Sollten Sie einen Börsengang von Evonik Industries für unvermeidlich halten, erwarten wir, dass dies nicht geschieht, bevor die Wohnungsbeteiligungen aus dem Konzern herausgelöst sind und von einem öffentlichen Eigner, z.B. der RAG Stiftung, direkt gehalten werden.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Mieterforum Ruhr e.V."


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