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12. Juli 2011 (Vivawest)

Mieter in Sorge: Was wird aus Evonik / THS ?

Ulrich Küppers hat alles andere als einen leichten Job in diesen Wochen und Monaten. Seit dem 1. Januar ist er einer von vier Geschäftsführern der THS-Wohnen und der Evonik-Immobilien gleichzeitig. Die beiden Gesellschaften sollen im Laufe des Jahres vollständig fusionieren und dann das drittgrößte Unternehmen in Deutschland bilden - das größte in NRW. Zuvor war der 55-jährige THS-Geschäftsführer, davor hauptberuflicher Gewerkschafter.

Seine Aufgabe in der Geschäftsführung ist das Bestandsmanagement. Dazu gehört es auch, den über 130.000 Mietern der künftigen Gesellschaft, deren Name noch nicht feststeht, die Angst zu nehmen. Die Angst vor der Fusion, oder noch mehr vor dem, was danach kommt: dem befürchteten Verkauf.

Und so ist der Besuch von Mieterversammlungen Ulrich Küppers beinahe tägliches Brot geworden. Am Abend des 31. März ist er in Gladbeck-Brauck, am 3. Mai in Dortmund-Eving. Die Versammlungen gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Küppers müht sich redlich, die Sorgen der Mieter zu zerstreuen. Von großartigen Plänen spricht er. Das neue Unternehmen, das Manche scherzhaft "Treuvonik" nennen, werde das beste Wohnungsunternehmen in Deutschland werden, solide geführt und mit einem hohen Maß an sozialer und ökologischer Verantwortung. Keine Wohnungsverkäufe mehr, kein Personalabbau, Erhalt der dezentralen Bewirtschaftung - alle Kundencenter bleiben bestehen. Eigentlich müssten die Mieter jubeln.

Doch die blicken eher ängstlich in die Zukunft. Denn erst vor wenigen Wochen gab es schlechte Nachrichten. Die RAG-Stiftung will Evonik-Industries - das ist die Muttergesellschaft der Evonik-Immobilien, zu der auch noch Anteile an der Steag und vor allem der Chemieriese Degussa gehören - noch in diesem Jahr an die Börse bringen. Internationale Finanzinvestoren - die sogenannten "Heuschrecken" - könnten sich dann eine Mehrheit an Evonik sichern und die schönen Pläne der Immobilientochter durchkreuzen. Und was Heuschrecken mit Wohnungen machen, davon können Mieter von Gagfah, Deutscher Annington, Immeo und zunehmend auch LEG ein Lied singen.

Dabei hatte Klaus Engel, der mächtige Evonik-Chef, erst Anfang des Jahres verkündet, ein Börsengang der Immobiliensparte sei vom Tisch. Ein "dritter Weg" sollte gegangen, ein nachhaltiger Investor mit langfristiger Anlagestrategie gesucht werden. So war die Rhetorik auch noch am 16. März, als Engel, strotzend vor Selbstbewusstsein, den Geschäftsbericht 2010 vorstellte. Das Jahresergebnis ist so gut, dass Evonik-Industries jetzt schnell an die Börse gebracht werden soll - möglicherweise noch in diesem Jahr. Und dann müssen die Immobilien eben mit. Für die soll dann ab 2012 ein solider Käufer gefunden werden, daran habe sich nichts geändert. Und so beschloss dann wenig später auch das Kuratorium der RAG-Stiftung.

Das macht vielen Mietern Angst. Denn der RAG-Stiftung gehören schon jetzt nur 74,9 % der Evonik-Anteile. Die anderen 25,1 % sind bereits in Besitz einer Heuschrecke, CVC mit Namen. Wenn jetzt mehr als 24,8 % der RAG-Anteile an die Börse gebracht würden, hätte die RAG-Stiftung keine Mehrheit mehr im Evonik-Aufsichtsrat. Andere würden dann die Geschicke des Konzerns lenken - auch die der Immobilien-Tochter. Und wer erst einmal Aktien an der Börse hat, ist vor feindlichen Übernahmen nie mehr sicher - Mannesmann lässt grüßen oder auch HochTief. Grade ein solide geführtes Immobilien-Unternehmen könnte zum Ausschlachten reizen.

"Ein zweites HochTief darf es nicht geben", sagt denn auch Ulrich Küppers. Ein Rezept aber, wie es zu verhindern ist, kann er nicht vorstellen. Er spricht von "negativen Hochrechnungen" bei Mietern und Mietervereinen, für die es keinen Anlass gäbe. Börsennotiert zu sein, sei an sich nichts Schlimmes. Sein Unternehmen bastelt unbeeindruckt weiter an der Zukunft. Küppers glaubt fest an einen Wettbewerbsvorteil eines ökologisch und sozial verantwortlichen Wohnungsunternehmens im Markt der Zukunft. Zumindest er selbst scheint absolut überzeugt zu sein, diese Pläne auch umsetzen zu können.


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