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15. August 2013 (Vonovia)

Deutsche Annington - Nun doch an der Börse

Nachdem der Immobilienriese zunächst den Börsengang Anfang Juli einen Tag vorher abgesagt hatte, wurde dieser ein paar Tage später erneut gestartet - diesmal mit Erfolg. Aktien kaufen konnten nur noch institutionelle Anleger, zu einem geringeren Startpreis als ursprünglich angesetzt. Doch was interessiert das die Mieter?

Wohnungen müssen instand gehalten werden

„Das sollte sie schon“, sagt Siw Mammitzsch, Geschäftsführerin der Mietergemeinschaft Essen, „denn so oder so wird er nicht ohne Folgen für die Mieter bleiben.“

Die Deutsche Annington hatte vor ihrem Börsengang erstmals ihre Portfolio-Strategie offen gelegt. Demnach sind in Essen knapp 700 Wohneinheiten dem Segment „Non-Core“ zugeordnet, die als mit „unzureichenden mittel- bis langfristigen Wachstumsaussichten“ angesehen werden. Siw Mammitzsch, Geschäftsführerin der Mietergemeinschaft Essen fürchtet deshalb: „Diese Wohnungen sind praktisch abgeschrieben.“ Für die Mieter bedeutet das nichts Gutes. „Der Zustand dürfte nicht der Beste sein, gemacht werden soll aber auch nichts mehr“, deutet Siw Mammitzsch diese Zahlen. Es dürfte sich um zukünftige oder bereits bestehende „Problemimmobilien“ mit einem hohen Instandhaltungsstau in zum Teil schwierigen Lagen handeln. Durch die Einstufung als „Non Core“ ist eine weitere Vernachlässigung durch mangelnde Investitionen zu befürchten.

Ein Finanzmarktunternehmen wird kein langfristiger Investor

Kaum hatte die Mietergemeinschaft eine Pressemitteilung ähnlichen Inhalts in die Welt gesetzt, reagierte das Unternehmen auf die Nachfragen der Presse. Unbegründet seien die Sorgen der Mietervertreter, hieß es da, und es werde sich für die Mieter nichts ändern. Genau das sieht aber nicht nur die Mietergemeinschaft nicht so, sondern auch andere Mietervereine. Vor allem die massive Ausrichtung auf die Gewinnorientierung wird sich nicht ändern und bereitet vor allem jenen Mietern Sorge, die schon jetzt von mangelnden Instandhaltungen betroffen sind. Und ob tatsächlich nur an langfristig orientierte Kaufinteressenten verkauft wird, hängt sicher weniger vom Willen als mehr vom Ertrag ab.

Bislang keine Reaktion

„Wir wollten deshalb von der Annington wissen, welche Bestände das betrifft und haben am 04. Juli nachgefragt. Leider bislang ohne Reaktion. Wir gehen jedoch davon aus, dass die Deutsche Annington diese Wohnungen straßengenau benennen kann“, so Siw Mammitzsch. Auch wenn 700 Wohneinheiten von über 10.000, die die Annington in Essen bewirtschaftet, nur eine geringe Zahl ist, stehen der Stadt Essen Instrumente der Stadtentwicklung zur Verfügung, um Fehlentwicklungen entgegen zu steuern. „Ohne weitere Informationen geht das aber nicht.“ Wer nicht konkreter wird, beruhigt auch nicht die Mieter.

Modernisiert wird, was Rendite verspricht

Auch aus der Portfolio-Strategie hervor geht, dass in Essen 1.635 Wohneinheiten privatisiert werden und weitere 2.400 WE aufgewertet bzw. energetisch saniert werden sollen. „Auch hieraus ergeben sich Probleme, vor allem für Mieter mit geringen finanziellen Möglichkeiten“, erklärt Siw Mammitzsch. „Wir befürchten erhöhte Verdrängungsprozesse“. Die Deutsche Annington ließ auch das nicht gelten und verwies auf die regulierenden örtlichen Mietspiegel. „Allerdings gelten diese bei Modernisierungsmieterhöhungen nicht, hierfür dürfen bis zu 11% der Modernisierungskosten auf die Miete aufgeschlagen werden. Bei umfangreichen Maßnahmen kann das schon mal eine Mieterhöhung von 20% und mehr bedeuten, stellt Siw Mammitzsch klar. „Für viele unserer Mitglieder wäre das nicht tragbar“.


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