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16. Juni 2014 (Weitere Initiativen und Bündnisse)

Essen: Immeo Mieterinitiative nimmt neuen Anlauf

Viel ist passiert, seit sich die Immeo-Mieter in Essen das erste Mal im Dezember 2008 trafen. Damals kamen über 300 Mieterinnen und Mieter, weil ThyssenKrupp seine Wohnungen im Jahr 2004 an Immeo verkaufte. Einige der bis heute aktiven Initiativenvertreter wohnen heute selbst nicht mehr bei Immeo, weil die Wohnungen weiter verkauft wurden.

Damals: Aufgebrachte Mieter
Thyssen-Krupp hatte - praktisch über Nacht – seinen Wohnungsbestand an ein börsennotiertes Unternehmen verkauft - ohne soziale Sicherheiten für die Mieter zu vereinbaren. Damit gingen, so schreibt die Initiative in ihrer Dokumentation, 106 Jahre Werkswohnungsbau auch für 11.000 Essener Familien zu Ende. Viele der Mieter hätten jahrzehntelang bei Krupp gearbeitet. Sie gingen von einer sicheren und preisgünstigen Wohnung im Alter aus. Das sollte nun nicht mehr gelten? Die Mieter waren verunsichert und empört. Sie sorgten sich um den weiteren Verbleib in ihren Wohnungen. Sie gründeten die Immeo-Mieterinitiative und wählten als ihre Vertreter zehn Nachbarn in einen Koordinierungsrat.

Nach langen Verhandlungen konnte erreicht werden, dass bei allen bis heute verkauften Wohnungen vertraglich festgehalten wird:
Keiner Mieterin und keinem Mieter im Alter von über 65 Jahren wird aufgrund eines Wohnungsverkaufs gekündigt. Diese erhalten somit praktisch ein lebenslanges Wohnrecht.

Nach dem Verkauf von Mietwohnungen verbleibt für alle Mieter ein Wohnrecht von 10 Jahren. Eine Eigenbedarfskündigung während dieser Zeit ist damit praktisch ausgeschlossen.

Eine Aufgabe der Initiative ist also auch, die Einhaltung dieser Klauseln zu überprüfen. Damit kann die Initiative den Mietern zumindest ein wenig ihre Ängste vor dem Verlust der Wohnung nach Verkäufen nehmen.

Trotz aller Verkäufe hält das Wohnungsunternehmen in Essen immer noch knapp 10.000 Wohnungen in seinem Besitz. Es gibt also noch reichlich Stoff für einen Zusammenschluss in einer Initiative.

Allerdings befand sich der Kern der Initiative in Frohnhausen und Holsterhausen, dort wo die meisten der Wohnungen verkauft wurden. Die „verkauften“ Mieter sehen nicht mehr immer die Notwendigkeit für sich, sich an der Initiative zu beteiligen. Renate Dohrn und ihre MitstreiterInnen sehen das anders. „Denn schließlich seien viele Mieterprobleme ähnlich und in so einer Initiative könne man sich gegenseitig unterstützen“. Zum Beispiel beobachte man „regelmäßige Mieterhöhungen, die zwar alle mäßig, aber eben regelmäßig vorgenommen werden, obwohl sich an den Wohnungen nichts verbessert“.

Wehrhaft gegen Vermieterwillkür
Wenn Mängel in der Wohnung bestehen, war es schon vorher Sache der Mieter, diese an Immeo zu melden. Dabei half die Initiative sehr, konnte man die erstellten Mängellisten gesammelt überreichen und so die Dringlichkeit von Instandsetzungsarbeiten stärker verdeutlichen. Dennoch empfiehlt sich auch jetzt noch der Zusammenschluss in der Initiative, wenn Mängel auftauchen, da dies einen Austausch der Mieter mit sich bringt, zu welchen Arbeiten auch die neuen Eigentümer verpflichtet sind, und wozu nicht. „Ein solcher Austausch macht die Mieter wehrhafter gegen Vermieterwillkür. Wichtig ist doch, dass man nicht alleine da steht, wenn es Probleme gibt, sondern sich beraten und das gemeinsame Vorgehen absprechen kann“, so Renate Dohrn.

Und viele Probleme gab und gibt es immer noch mit den Nebenkostenabrechnungen. Die werden den Mietern sicher erhalten bleiben, egal wer der neue Eigentümer ist. Dieser „undurchsichtige Dschungel“ – wie Frau Dohrn die Nebenkostenabrechnungen nennt – wird aus ihrer Sicht vermutlich nicht leichter, wenn es viele verschiedene Eigentümer gibt. Für die Wohnungen im Luisenhof in Essen-Frohnhausen hat die Verwaltung die Pro Casa in Düren (bei Aachen) übernommen – und dafür extra eine eigene Gesellschaft gegründet. Das wurde von Immeo so eingefädelt, damit sie den Kauf der Wohnungen für Privatleute attraktiver machen.

Mieternetzwerk ist angedacht
Was Renate Dohrn schade findet ist, dass schon länger keine Immeo-Mieter mehr aus den Stadtteilen, in denen es noch große Bestände von Immeo-Wohnungen gibt, z.B. in Borbeck, Dellwig und Gerschede, zu den Treffen der Mieter-Initiative kommen. Offensichtlich ist so eine Initiative hauptsächlich bei großen Problemen oder aber lokal begrenzt aktionsfähig. Es gibt aber viele Probleme, die gar nicht an einen bestimmten Vermieter gebunden sind – wie gerade die „Zweitmiete“. Dabei spielen auch kommunale Fragen eine Rolle. Daher kam beim letzten Mieterinitiativentreffen der Immeo-Mieter erstmals die Idee auf, ein Mieternetzwerk ähnlich wie in Katernberg zu gründen. Denn es gibt im Essener Westen Mieter sowohl bei großen Wohnungsunternehmen, als auch viele Privatvermieter. Es soll deshalb der Austausch mit dem Mieternetzwerk Essen-Nord gesucht werden. Wir sind gespannt, ob aus dieser Idee mehr wird.


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