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11. September 2014 (Vivawest)

Vivawest ist kommunikationsstark

Das Unternehmen, das aus der Verschmelzung von THS (Treuhandstelle für Bergmannswohnstätten) und der Evonik Immobilien (ehem. RAG Immobilien) hervorgegangen ist, hat seine Wurzeln eindeutig im Werkswohnungsbau der Bergbauunternehmen. Mit der Fusion im Jahre 2012 entstand das größte Wohnungsunternehmen im Ruhrgebiet. 2 Jahre später interessierte uns, wie das Unternehmen in Essen aufgestellt ist, und baten um ein Gespräch im Kundencenter Essen. Dies wurde uns kurzfristig möglich gemacht.

Klar, dass in so einem Gespräch die Verantwortlichen ihr Unternehmen gut präsentieren. Im Vergleich zu anderen Wohnungsunternehmen fällt auch uns auf, dass die Vivawest Wohnen GmbH mehr Engagement und Personal in die Kundenbetreuung steckt. Das zahlt sich aus. Auch wir konnten nur bestätigen, dass bei uns relativ wenig Beschwerden bekannt sind. Auch im Bereich der Instandhaltung tut Vivawest mehr, als z.B. die Deutsche Annington oder die Gagfah. Zwar geben sie im Gespräch zu, dass die jährlichen Instandhaltungsinvestitionen pro Quadratmeter in den letzten Jahren vergleichsweise niedrig waren (sie lagen deutlich unter denen der Allbau AG), aber sie sollen in den kommenden Jahren wieder steigen. Schließlich sei die Bestandspflege der zentrale Punkt für die Werthaltigkeit des Unternehmens insgesamt. Zum Beispiel werde in frei werdenden Wohnungen der Zustand des Bades überprüft und bei Bedarf wird dieses modernisiert.

Für Mieterversammlungen offen
Zur Zeit sind in Essen keine größeren Modernisierungen durch die Vivawest geplant. Wäre dem so, würde es, wie in anderen Städten auch, frühzeitige Ankündigungen für die Mieter geben. Selbst mit Mieterversammlungen könne man gut leben, heißt es. Dennoch haben Modernisierungen einen Haken, den wir benannt haben: anschließend erhöht sich meist die Miete. Vivawest kennt das Problem: Ja, das ließe sich nicht vermeiden. Man versuche aber den Mietern, die sich die erhöhte Miete nicht erlauben können, alternative Angebote zu machen.

Höhere Mieten nicht vermeidbar

Dies führte uns zu der Frage, wie hoch die durchschnittliche Miete der Wohnungen in Essen sind, die Vivawest anbietet. Hinter dieser Frage steht unsere Erfahrung, dass es auch in Essen z.B. für Menschen im ALG II-Bezug immer schwieriger wird, angemessenen Wohnraum zu finden. Das aktuelle Mietniveau liege bei ca. 5,20 € pro Quadratmeter kalt, wurde uns vermittelt, bei modernisierten Wohnungen jedoch eher bei 6 €. Genau das halten wir für ein Problem. Auch wenn hier von einem Durchschnitt gesprochen wird und man annehmen kann, dass es auch Wohnungen mit einer günstigeren Kaltmiete gibt, so zeigt sich aber die Tendenz zur Mietsteigerung auch bei Vivawest. Deshalb nehmen wir nach wie vor mit Verwunderung zur Kenntnis, dass es noch keine adäquate Anpassung des Mietspiegels in Essen gegeben hat.

Was passiert in Vogelheim?

Konkret interessierte uns aber, was weiter in Vogelheim geplant ist. Wir vermittelten noch einmal, dass der Verkauf der ca. 400 Wohneinheiten der damaligen THS kurz vor der Fusion dem Stadtteil gravierende Veränderungsprozesse gebracht hat, die man auch als Verdrängung bezeichnen kann. Da der neue Besitzer, die Häusser-Bau GmbH, auf Privatisierung setzte, wurden die meisten Häuser an einzelne Eigentümer weiter verkauft, die selber drin wohnen wollen. Kaum einer der „alten“ Mieter hat seine neue Wohnung im Stadtteil Vogelheim gefunden, sondern musste wegziehen. Ein sozial gewachsenes Umfeld wurde zerstört. Zudem wurde schon vor Jahren damit begonnen, die Häuser in Vogelheim aufzuwerten und Einfamilienhäuser neu zu bauen, wogegen zunächst einmal wenig spricht.

Was hier aber zusehends auf der Strecke geblieben ist, sind Wohnungsangebote für Menschen mit kleinem Einkommen.

In die Wildstraße kommt irgendwann der Abrissbagger
Nun ist diese Frage nicht allein Vivawest anzukreiden, betrifft das Unternehmen aber im konkreten Fall. Es geht um 5 Häuserblocks in der Wildstraße in Essen-Vogelheim, die bereits leer gezogen sind und teilweise seit Jahren leer stehen. Bereits Evonik Immobilien hatte 2008 im Zuge einer gemeinsamen, von mehreren Wohnungsunternehmen getragenen Verschönerungsaktion Vogelheims, entschieden, dass diese Häuser abgerissen werden sollen. Folglich wurde nicht mehr neu vermietet, den Bewohnern wurden Alternativen angeboten, um diese zum Umzug zu bewegen.

Trotz des jahrelangen Leerstandes sehen die Häuser von außen nicht extrem schlimm aus, da kennen wir stärker heruntergekommene, die vermietet und bewohnt werden. Im Jahr 2008 und unter Vermietung waren die Häuser sogar ganz ansehnlich. An einem Block wurden irgendwann sogar Balkone vorgebaut. Andere, relativ baugleiche Typen stehen auch noch im Stadtteil und werden bewohnt. Hätte man sich für eine Sanierung entschieden, wäre das sicher kein Problem gewesen.

Sozialer Wohnungsbau immer dringender

Natürlich hat der jahrelange Leerstand die Substanz beschädigt, mittlerweile wäre eine Sanierung deutlich teurer als vor Jahren. Dass nun aber statt der Mehrfamilienhäuser wieder nur Einfamilienhäuser gebaut werden, ist zwar aus Investorensicht logisch, ärgert uns dennoch sehr. Denn hier wurde sozusagen absichtlich bewohnbarer Bestand unbewohnbar gemacht um abzureißen und nach Neubau teuer verkaufen zu können. Das Gelände ist genau dafür gut geeignet, befindet sich doch ziemlich viel unverbautes Grün hinter den Häusern, davor ist eine ruhige Straße mit einer Tempo-30-Zone. Aber genau solche Wohnlagen fordern wir auch für Menschen, insbesondere Familien ein, die sich kein Eigentum erlauben können. Beim Spaziergang wurde offenbar, dass sich hinter den Häusern sogar ein Bolzplatz befand, ansonsten nur Kleingärten. Das wäre ideal für Kinder.

An dieser Stelle trifft die Kritik auch die Essener Kommunalpolitik, die solchen Vorgängen keinen Einhalt gebietet. Dem strategische Leerstand hätte man sich widersetzen müssen, was gesetzlich möglich ist. Der Bedarf an günstigem Wohnraum rechtfertigt das deutlich.


>>> Rechtsberatung für Mieterinnen und Mieter
 

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