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15. Dezember 2016 (Aus den Städten)

Netzwerk „Stadt für Alle“ prangert Leerstände an

Der Mieterverein ist nicht die einzige Bochumer Gruppierung außerhalb der „offiziellen“ Kommunalpolitik, der sich für das Thema Leerstände interessiert. Am 15. April fand in der Innenstadt ein sogenannter „March for a better Life“ (Marsch für ein besseres Leben) statt, auf dem gutes Wohnen (nicht nur) für Flüchtlinge gefordert und Leerstände thematisiert wurden. Und am 8. Oktober spazierten mehr als 80 Menschen durch die Innenstadt und inspizierten vier leerstehende Gebäude . Dahinter steckt eine Gruppe, die sich „Stadt für Alle“ nennt. MieterForum hat sich in der Szene umgesehen.

Es sind rund zwei Dutzend Menschen zwischen 26 und 66, die sich in unregelmäßigen Abständen und an verschiedenen Orten treffen. Meist werden die Termine per E-Mail verabredet. „Wir sind ein Netzwerk aus Gruppen und Einzelpersonen, die 2015 angefangen haben, sich für das Thema Wohnen zu interessieren“, sagt Rainer Midlaszewski, 53, Grafik-Designer. „Viele von uns sind aus der unmittelbaren Flüchtlingsarbeit gekommen und haben die Erfahrung gemacht, dass es gar nicht so einfach ist mit der Willkommenskultur. Eklige Gesetze, schwerfällige Behörden und menschenunwürdige Unterbringungen können einen sehr schnell desillusionieren. Und dann muss man sich die Frage stellen, ob man es bei einem rein caritativen oder sozialarbeiterischen Engagement belässt, oder ob man das politisiert und die Frage stellt, was geschehen muss, damit sich was ändert.“

Als die Stadt im Dezember 2015 in ihrem Wohnungsmarktbericht veröffentlichte, dass in Bochum 9.400 Wohnungen leerstehen, empfanden viele in der Gruppe das als einen Skandal. Denn gleichzeitig lebten fast 5.000 Flüchtlinge in Turnhallen, Containern oder zeltähnlichen Leichtbauhallen, die für teures Geld angeschafft werden mussten. „Wir haben allerdings sehr schnell gemerkt, dass es nicht die Flüchtlinge allein sind, die schlecht versorgt sind“, sagt Midlaszewski. „Bei anderen, die auch auf preiswerten Wohnraum angewiesen sind, ist die Lage vielleicht nicht ganz so krass, aber im Prinzip ähnlich. Es gibt einfach zu wenig preiswerte Wohnungen.“

Inzwischen geht es dem Netzwerk nicht mehr nur um Wohnraum, sondern auch um Flächen für Anlaufstellen, Begegnungsstätten, Multikulturelles. Deshalb sucht es nicht nur nach leeren Wohnungen, sondern auch leeren Gewerbeimmobilien, von denen es ebenfalls reichlich in der Stadt gibt. Ein Mittel zur Suche ist der Leerstandsmelder. Midlaszewski: „Wenn die Stadt nicht in der Lage ist, Leerstände zu finden, dann werden wir das eben tun.“

Die Gruppe hat drei zentrale Forderungen formuliert:
- Unterbringung aller Flüchtlinge in normalen Wohnungen
- bezahlbarer Wohnraum für alle
- Öffnung von Leerständen für soziale und kulturelle Zwecke.

Dazu sind noch zahlreiche Aktionen geplant. Mehr Infos sind unter auf der Website des Netzwerks zu finden.

 

 


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