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13. März 2017 (Aus den Städten)

Kommentar zum Neubau: Es klappt nicht mit dem Neubau

Der kommt gerade richtig: Mitten in die Beratungen zum Handlungskonzept Wohnen platzt der neue Wohnungsmarktbericht der Bauverwaltung. Und belegt mit nackten Zahlen, was Mieterverein und viele andere seit geraumer Zeit sagen: Dass es zu wenig Wohnraum gibt in Bochum – nicht zu wenig insgesamt, aber zu wenig preiswerten Wohnraum für Einkommensschwache.

So weit, so gut. Gut auch, dass die Stadt nicht auf die Fertigstellung des Handlungskonzept warten will, bevor sie Gas gibt. 800 Wohnungen, so hört man aus dem Rathaus, sollen in nächster Zeit pro Jahr in Bochum gebaut werden. Davon sollen 200 Sozialwohnungen sein.

Das klingt nach ziemlich viel. 25 % Anteil am Neubauvolumen sind erheblich mehr als die 7 % Anteil am Wohnungsmarkt, den der Soziale Wohnungsbau aktuell hat. Und 200 Sozialwohnungen jährlich neu gebaut wären rund viermal mal so viele wie im Durchschnitt der letzten Jahre.

Allerdings wären es immer noch weniger als im gleichen Zeitraum aus der Bindung fallen. Nach Rückzahlung der öffentlichen Mittel werden die geförderten Wohnungen frei von der Preis- und von der Belegungsbindung. Es kann Mieterhöhungen geben wie in jeder anderen Wohnung und auch reichere Mieter können einziehen.

Alle Anstrengungen beim Neubau reichen also nicht aus, den Schwund an Sozialwohnungen zu stoppen. Und wenn man nur noch Sozialwohnungen bauen würde? Dann baute man Gettos, heißt es. Allerdings keine Gettos nur für Arbeitslose, Ausländer, Alleinerziehende und andere A-Grüppler. Sondern auch für Polizisten, Altenpflegerinnen, Fachverkäufer und Krankenschwestern. Denn die Einkommensgrenzen sind so hoch, dass fast die Hälfte der Bevölkerung darunter fällt. Aber das Kontingent der Landesfördermittel, das Bochum zusteht, reicht nicht für noch mehr neue Sozialwohnungen.

Also stellt sich die Frage, ob der Blick auf den Neubau reichen wird. In Bochum gibt es fast 200.000 Wohnungen; 800 neue erhöhen das Angebot also gerade mal um 0,4 %.  Da scheint es aussichtsreicher, sich dem Bestand zu widmen. Bindungen kann man auch kaufen. Und auch den Leerstand kann man nicht einfach außer acht lassen. Zu groß ist das Potenzial, das darin steckt.


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