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8. Oktober 2007 (Ohne Kategorie)

Duales System auf dem Prüfstand

Gelbe Tonne für die Tonne? - Seit August ist es offiziell: Die Zeiten von Cleanaway und Sulo sind in Dortmund passé. Das Geschäft mit der Gelben Tonne liegt ab 2008 wieder fest in der Hand der städtischen Entsorgung Dortmund GmbH (EDG). Das heikle Thema Fehlbefüllung ist damit aber noch nicht vom Tisch. Gleichzeitig steht die Zukunft des Dualen Systems selbst in Frage. Neue automatische Trennverfahren machen das getrennte Müllsammeln langfristig überflüssig.

Die Deutschen sind Weltmeister beim Mülltrennen. Andererseits wächst die Gruppe derjenigen, die ihren Müll einfach in jede Tonne kippen, frei nach dem Motto: "Das kommt ja sowieso in den Ofen". Untersuchungen zeigen: Der Anteil von Fremdstoffen z.B. in der Gelben Tonne ist in NRW von 37 Prozent im Jahr 1997 auf 50 Prozent angewachsen. Die Müllentsorger lassen fehlbefüllte Tonnen immer häufiger einfach stehen. Für sie sind die Folgekosten der Nachsortierung zu hoch. Am Ende stehen für Mieter meist teure Sonderleerungen an, die in der Betriebskostenabrechnung zu Buche schlagen.

Genau das wollte Siegfried Klewer vom Mieterverein Kley verhindern. Seit drei Jahren kämpft er bei seinem Vermieter, heute die Deutschen Annington, für abschließbare Mülltonnen-Stellplätze. Damit keine Fremd- und Fehlbefüllungen mehr möglich sind. Mit Erfolg. Aber das Thema Mülltrennung bleibt für ihn ein rotes Tuch. "Viel geändert hat sich seitdem nicht", stellt Klewer frustriert fest. "Es landet immer noch der falsche Müll in der falschen Tonne. Die Verursacher sind also die Mieter selbst." Zumindest einige von ihnen. "Los werden wir den Ärger nur, wenn die Technik der automatisierten Mülltrennung Standard wird."

Mit Technik effektiver
Tatsächlich sind heute Maschinen in der Lage, den Müll exakt zu sortieren. Ohne die Gelbe Tonne wäre das nach Meinung von Experten auch wesentlich effizienter. Denn tatsächlich recycelt wird in Deutschland nur ein Bruchteil der 13 Mill. Tonnen des jährlich anfallenden Kunststoffs. Zum Teil ist dafür die Struktur des Dualen Systems selbst verantwortlich, das grundsätzlich nur Verpackungsmüll verwertet, nicht aber stoffgleiche Produkte. Hinzu kommt, immer weniger Unternehmen schließen sich dem Dualen System an. Nur 0,7 Mio. Tonnen Kunststoffe tragen den Grünen Punkt und wiederum nur die Hälfte davon wird wieder eingesammelt. Obendrein darf ein Drittel dieser Restmenge auch noch verbrannt werden.

Und genau das geschieht auch. Seit einer Entscheidung der EU-Kommission im Jahr 2001 gibt es Konkurrenz für die Duales System Deutschland GmbH (DSD). Heute muss sich das 2005 privatisierte Unternehmen mit zwei weiteren Anbietern messen. Aus Kostengründen wird nun nur noch die vorgeschriebene Mindestquote der Wiederverwertung erfüllt.

Duales System in der Krise
Durch die schwindende Beteiligung am Dualen System droht der Grüne Punkt in die roten Zahlen zu geraten. Branchenexperten schätzen die Finanzierungslücke auf rund 300 Mio. Euro. Das hat nun auch den Gesetzgeber auf den Plan gerufen. Die Verpackungsverordnung soll geändert werden. Geplant ist, dass alle Unternehmen, die Verpackungen in Umlauf bringen, sich am Dualen System beteiligen müssen. Trittbrettfahrer, die bisher unentgeltlich vom System profitierten, gibt es dann nicht mehr. Selbstentsorgungssysteme sollen nur noch im Großgewerbe möglich sein.
Kritiker wie der Hochschullehrer für Abfallwirtschaft Klaus Wiemer von der Universität Kassel stellt das nicht zufrieden. "Heute ist man technisch viel weiter. Und das ganze System ist reformbedürftig." Man könnte auch sagen: in absehbarer Zeit überflüssig.

Pilotprojekt Gelbe Tonne plus
Erst mal bleibt alles beim Alten. Die EDG übernimmt 2008 wieder die Gelbe Tonne in Dortmund. Am 9. August hat die DSD der EDG-Tochter Welge dazu den Zuschlag erteilt. 38 neue Mitarbeiter sollen dafür eingestellt werden, und für ihre Arbeit gut neun Euro Stundenlohn erhalten. Laut EDG war das Angebot "hart kalkuliert". Man werde versuchen, sich bei der Sammlung an den gewohnten Qualitätsstandard anzunähern, verkündet die Geschäftsführung in einer Pressemitteilung. Das klingt eher nach Abstrichen. Besonders im Auge hat die EDG dabei die Qualität des zu sammelnden Materials. „Für fehlbefüllte Tonnen z.B. mit Restmüll gibt es besonders strenge DSD-Vorgaben, die wir einhalten müssen“, so die Geschäftsführung.

Anderenorts hält man nach Alternativen Ausschau. Im September 2004 startete das Leipziger Pilotprojekt Gelbe Tonne plus. Beteiligt sind die Stadt Leipzig, die Abfalllogistik Leipzig GmbH und die DSD. In der Gelben Tonne plus werden neben Verpackungen aus Kunststoff, Metall und Verbundmaterial auch "stoffgleiche Nichtverpackungen" wie Haushaltsgegenstände und kleine Haushaltsgeräte gesammelt. Die Wertstoffausbeute soll erhöht und getestet werden, ob sich dadurch die Kosten für die Sammlung und Sortierung senken lassen. Erste Ergebnisse sind positiv: Das Sammelgemisch ist sauberer und enthält weniger Restmüll. Es werden mehr Wertstoffe eingesammelt und recycelt. Die Kommune wie der Entsorger profitieren von den Einsparungen. Die Gelbe Tonne plus ist vielleicht der erste Schritt zu ihrer Abschaffung.


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