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10. Dezember 2012 (Aus den Städten)

Die Not mit der Wohnung: Sozial ist die Stadt, die ausreichend Wohnraum für alle hat

Wohnungsnot gab es in Essen bis in die 70iger Jahre. Damals wurden die großen Siedlungen meist im Essener Osten mit viel Beton gebaut. Helle Wohnungen mit Bad und Balkon für Familien mit Kindern. Die Stadt baute dazu Schulen, eine Bezirkssportanlage, ein Bürgerhaus, Kindergärten und ein Schwimmbad.

Die Sozialwohnungen wurden mit Steuergeldern gefördert, die festgelegte Kostenmiete war bei den damaligen Einkommen für einen großen Teil der Essener Familien erschwinglich. Die festgelegten Einkommensgrenzen, die zu einem Wohnberechtigungsschein führten, entsprachen den einfachen normalen Einkommen. Heute darf eine Person in einer Sozialwohnung nicht mehr als 17.000 € Jahreseinkommen haben. Auch Wohnungen für Senioren und Menschen mit Behinderungen wurden gefördert. Die Vermieter waren durch die Förderung fest an preiswerte Mieten für 30 bis 40 Jahre gebunden.

Die Angaben aus dem Essener Wohnungsamt lassen aufhorchen.
Die Jahre sind vergangen, die Bindungen ausgelaufen, jetzt regelt der "Wohnungsmarkt". Die Mieten sind sofort gestiegen. Neue Sozialwohnungen wurden in den letzten Jahren kaum gebaut, gebunden sind heute überwiegend Wohnungen im Althausbestand. Von 100.000 in den 70iger Jahren in Essen geförderten Wohnungen gibt es heute nur noch ca. 22.000 von ca. 200.000 Mietwohnungen insgesamt. Die Prognose sagt, im Jahr 2030 werden es nur noch 14.000 sein.

Wir werden nicht nur älter, wir werden auch ärmer
Das Landesamt für Statistik meldet einen Anstieg von Hilfeempfängern. Vertreter von Wohlfahrtsverbänden bestätigen das. Das Pestel-Institut aus Hannover hat in einer Studie festgestellt: Der Bedarf an sozialer Wohnraumförderung für Haushalte, die sich am Markt nicht selbst ausreichend mit Wohnungen versorgen können, ist immer noch groß und er wächst. Betroffen sind Menschen, die von Transferleistungen abhängig sind, Haushalte, die Grundsicherung erhalten und Wohngeldempfänger. Die Menschen verdienen weniger. Das Realeinkommen der Mehrheit der Bevölkerung wird in den kommenden Jahren sinken. Schon heute haben viele Ruheständler deutlich weniger Einkommen als frühere Generationen. Der Anteil der Geringverdiener steigt und damit wird ihre Rente im Alter noch magerer ausfallen. Für die immer älter werdende Gesellschaft braucht eine Stadt immer mehr bezahlbare, barrierearme oder barrierefreie Wohnungen.

Essener Wohnungsunternehmen erklären dazu, es gebe preiswerten Wohnraum ausreichend in unserer Stadt. Auch das Wohnungsamt bestätigt, dass es für Sozialwohnungen zur Zeit keine Wartelisten gibt.

Wohnung ist ein soziales Gut.
Sie muss nicht nur bezahlbar sein, sondern auch vernünftig ausgestattet. Sie sollte ausreichend groß sein, warm, ohne Schimmel und andere Mängel, und für ältere Menschen barrierearm. Leer stehen in Essen aber überwiegend Wohnungen, die in sehr schlechtem Zustand sind und damit die Mieter krank machen, die an stark befahrenen Straßen ohne Lärmschutz liegen, keine Balkone haben oder noch mit Nachtspeicherheizungen ausgestattet sind.

Was tun? Wohlfahrtsverbände, Institute, der Deutsche Mieterbund bekräftigen: Wohnen ist ein Grundbedürfnis. Sie fordern: Wir brauchen wieder soziale Förderung für Wohnungen, die nach heutigen Standards ausgestattet sind, damit auch Geringverdiener und Leistungsbezieher sie bezahlen können.


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