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5. Dezember 2005 (Bundespolitik)

Der Energiepass kommt

Stelle Sie sich vor, Sie kaufen eine Waschmaschine, und wissen nicht, wie viel Strom sie braucht. Blind, mindestens. Stellen Sie sich vor, Sie kaufen ein Auto, und wissen nicht, wieviel Sprit es säuft. Undenkbar, absolut. Stellen Sie sich vor, Sie kaufen oder mieten eine Wohnung, und wissen nicht, wie viel Heizenergie sie braucht. Normal, völlig.
Doch jetzt soll das anders werden:

Nach der EU-Richtlinie über die „Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden“ muss er ab dem 1. Januar 2006 bei jedem Verkauf und jeder Vermietung vorgelegt werden - der Energiepass. Die Bundesregierung hat die Richtlinie im „Energieeinsparungsgesetz“ in nationales Recht umgesetzt. MF sprach mit Guido Pötter-Kathriner, Gebäudeenergieberater beim GIH Kammerbezirk Dortmund, über das, was da auf uns zukommt.

MIETERFORUM: Was ist das, der Energiepass?

Pötter-Kathriner: Der Energiepass ist ein Gütesiegel für die Energieeffizienz von Gebäuden. Ähnlich wie heute bei Elektrogroßgeräten kann man in ihm auf einen Blick erkennen, ob es sich um ein energiesparendes Gebäude oder um einen „Spritfresser“ handelt. Vermieter oder Verkäufer erhalten damit ein Instrument, mit dem sie Kunden von der Qualität ihres Hauses überzeugen können. Und Mietern oder Käufern ermöglicht er den Vergleich zwischen verschiedenen Immobilien-Angeboten.

MF: Und den bekommt man jetzt immer vorgelegt, wenn man ab dem nächsten Jahr eine Wohnung kauft oder anmietet?

P-K: Leider nicht. Denn noch fehlt die Durchführungsbestimmung, die Energieeinsparverordnung. Die wird die technischen Details klären und soll im Sommer in Kraft treten. Wir wünschen uns natürlich, dass auch vorher schon möglichst viele Miet- und Kaufinteressenten bei der Besichtigung einer Wohnung nach dem Energiepass fragen, damit die Anbieter merken, dass der Energiebedarf eines Hauses ein wichtiges Kriterium für seine Vermiet- oder Verkaufbarkeit ist.

MF: Was ist denn noch offen?

P-K: Viele Detailfragen, unter anderem, wie der so genannte Energiekennwert dargestellt werden soll. Es gibt da zwei konkurrierende Labels. (Siehe Grafiken) Aber auch, wer den Pass ausstellen darf, ist noch nicht abschließend geklärt. Außerdem sind ein kleiner und ein großer Energiepass in der Diskussion.

MF: Was ist der Unterschied?

P-K: Der große Energiepass liefert eine ausführliche und individuelle Analyse des gesamten Hauses, der kleine nur eine Schätzung anhand bundesweiter Durchschnittswerte. Außerdem gibt es von der Hauseigentümerseite noch die Forderung nach einem Verbrauchsabhängigen Energiepass.

MF: Das klingt doch gut ...

P-K: Nein, gar nicht. Dieser Pass würde nur aussagen, was der Vormieter oder -besitzer an Energie verbraucht hat. Das hat aber vielfach weniger mit dem energetischen Zustand des Gebäudes zu tun, sondern viel mehr mit dem ganz persönlichen Heizverhalten des früheren Bewohners. Aber im Moment sieht es so aus, als ob so ein Pass bei größeren Gebäuden ab sechs oder acht Wohneinheiten übergangsweise erlaubt würde.

MF: Was kostet der Pass und wer bezahlt ihn?

P-K: Der kleine und der verbrauchsabhängige werden um die 150 Euro kosten, der große je nach Größe des Gebäudes zwischen 300 und 700 Euro. Dafür liefert er Tipps zur Modernisierung, die die Basis für eine ausführliche Energieberatung sind, wie man sein Haus energetisch auf Vordermann bringen kann.

MF: Herzlichen Dank für das Gespräch!


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