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14. Oktober 2005 (Weitere Initiativen und Bündnisse)

Self-Service City: Istanbul

Veranstaltungsankündigung - Zum dritten Termin der Veranstaltungsreihe „Internationaler Habitat – Diskurs“ haben das Habitat-Netz e.V. und Mieterforum Ruhr e.V. den Autor und Stadtforscher Orhan Esen aus Istanbul eingeladen. Er wird am 18.10. ab 19 Uhr im Bhf. Langendreer (Bo-chum) über das Thema „Self-Service City: Istanbul“ berichten, zu der Esen auch ein gleichnamiges Buch veröffentlicht hat.

Seit 1950 Jahren ist die klassische Metropole Istanbul von etwa einer Million Einwohner auf über 10 Millionen angewachsen. Diese „Neugründung einer Mega-City“ erfolgte weitgehend ohne städtische oder staatliche Planung im westlichen Sinne. Träger des Stadtwachstums wa-ren ländliche ArbeitsmigrantInnen, die auf „besetztem“ Land in Selbsthilfe Siedlungen errich-teten, die sogenannten „Gecekondus“ („Über Nacht gebaut“). Im Unterschied zu anderen Ländern wurde die „wilde Stadtentwicklung“ im Allgemeinen von Staat und Behörden ge-duldet. Mit der Zeit wurden in den Arme-Leute-Siedlungen urbanere Gebäude und Infra-strukturen errichtet, manche wurden zu wichtigen Geschäftsvierteln. Innerhalb eines halben
Jahrhunderts entwickelten sich so aus informellen "Ersatzstädten" die städtebaulich, kulturell und politisch bedeutendsten Komponenten der "selbstgemachten" Metropole Istanbul.

Seit längerem ist dieser Prozess ins Stocken gekommen. Die Stadtentwicklung nähert sich neo-liberalen Mustern einer gespaltenen und fraktalisierten Metropole an. In der „Self-Service-City“ bilden sich neue gesellschaftliche Widersprüche heraus: Auf dem Boden der
Gecekondus entstanden neue Mitteklassen mit einer eigenen Ideologie.
Gleichzeitig erlebten einige ältere Viertel eine systematische Gentrifizierung nach westlichem Muster. Die Zuwanderer werden heute oft nicht mehr durch neue Landnahme aufgefangen, sondern bilden zunehmend eine neue Unterklasse, die sich vor allem in Kernbereichen der al-ten Stadt konzentriert.

Jenseits der Klischees von der „Brücke zwischen Europa und Asien“ oder dem „Moloch am Bosporus“ gibt Orhan Esen überraschende Einblicke in die rasante soziale und urbane Ent-wicklung der Metropolen-Region am Marmara-Meer. Aktuell beschäftigt sich Orhan Esen mit den für die politischen Kräfteverhältnisse maßgebenden Widersprüchen zwischen zwei Grup-pen der Istanbuler Mittelschicht: Der traditionellen Mittelklasse der „alten Istanbuler“, die sich stark an „westlichen Werten“ orientiert und das Wachstum der Metropole lange nur als zerstörerische Invasion der Stadt wahrgenommen hat. Und der „Neuen Mittelklasse“ aus den aufgewerteten „Post-Gecekondu“-Vierteln, die durch Kombination ihrer islamistischen Orientierung mit dem Neoliberalismus zur politischen Macht aufgestiegen ist.

Die Veranstaltungs-Reihe „Internationaler Habitat Diskurs“ wird von Mieterforum Ruhr e.V. und Habitat Netz e.V. organisiert und der Bochumer Agenda 21 gefördert.

18.10.2005 um 19 Uhr

Bochum: Bhf. Langendreer (Raum 6)

Self-City Service: Istanbul

Vortrag von Orhan Esen


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